Konfirmation am 12. Juni 2011

 
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Foto: F.B.
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Ansprache zur Konfirmation am 12. Juni 2011

Festigen, stärken, bestätigen, das heißt das lateinische Wort confirmare. Stärkung des Glaubens, das ist ein wichtiges Ziel der Konfirmandenzeit. Was eine christliche Gemeinde ist, auf welchen Glauben die Gemeinde sich gründet und wie sich der Glaube im Alltag zeigt, darum ging es im Konfi-Unterricht. Es ist ja nicht beliebig, wie man lebt und wie man sich im Alltag verhält. Ein Mensch, der bewusst Christ ist, lebt und verhält sich anders als einer, dem die Mitmenschen egal sind.

Neun von euch waren auf dem Kirchentag, der am letzten Sonntag zu Ende gegangen ist. Sicherlich ein unvergessliches Erlebnis. Es ist toll, dass Gerlinde Rittich euch und einige andere Jugendliche aus der Gemeinde dabei begleitet hat.

"… da wird auch dein Herz sein." So hieß die Losung des Kirchentages. Ein Halbsatz, der für sich allein nichts sagt, eher Fragen aufwirft. Er regt dazu an, dem eigenen Herzen nachzuspüren:

  • Was geht mir zu Herzen?
  • Was nehme ich mir zu Herzen?
  • Was ist mir eine Herzenssache?
  • Wofür schlägt mein Herz?

Diesen Fragen ist der Kirchentag nachgegangen in vielen verschiedenen Veranstaltungen. Heute ist die Frage wichtig:
Wofür schlägt euer Herz?
Was ist euch eine Herzensangelegenheit?
Ich gebe zu, das sind sehr persönliche Fragen, die ihr jetzt auch nicht beantworten müsst.

Gustav Heinemann, für mich der glaubwürdigste Bundespräsident, den wir je hatten, ist einmal von einem Journalisten gefragt worden: "Ja lieben Sie denn nicht diesen Staat?" Darauf hat er geantwortet: "Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!"
(Zitiert von Hermann Schreiber in DER SPIEGEL, 13. Januar 1969)

So schlägt euer Herz vielleicht für einen anderen Menschen, für eure Familie, für den Sport, den ihr betreibt, für die Musik.

Der Kirchentag wollte die Augen der Menschen dafür öffnen, dass sie oft ihr Herz an Dinge hängen, die ihnen selbst und anderen Menschen gar nicht gut tun.
Vor dem Halbsatz der Losung steht noch ein anderer Halbsatz: "Wo dein Schatz ist, das wird auch dein Herz sein."
Martin Luther hat daraus den Gedanken abgeleitet: "Woran du dein Herz hängst, das ist eigentlich dein Gott."

Im Konfi-Unterricht sind wir der Frage nachgegangen, wer oder was für euch Gott eigentlich ist. "Mal angenommen, Gott ist da, was glaubst du, welche Eigenschaften Gott hat?" So lautete die Frage, zu der ihr eure Gedanken aufgeschrieben habt:
Ich lese einige Antworten vor:
  • Gott ist Trost spendend. Er kann Leuten in schwierigen Situationen helfen und Trost spenden.
  • Gott ermutigt und baut auf, er macht Hoffnung. Oft lässt er kleine Wunder geschehen.Gott ist jemand, der zuhören kann, und der, egal was ist, für einen da ist.
  • Gott hilft Menschen, egal ob sie gut oder böse sind.
  • Er liebt uns alle, auch wenn wir etwas Böses getan haben. Er hat uns einen Willen gegeben, damit wir anderen die Hilfe geben, die sie brauchen.
  • Gott ist Richter der Welt, er ist gerecht und schafft Recht. Er kann böse Menschen zu guten Menschen machen, indem er ihnen hilft, sich zu verbessern.
  • Gott hilft den Menschen dabei, Frieden auf der Erde zu schaffen.

Mit eurer Konfirmation sagt ihr Ja zu diesem Gott. Das Ja bedeutet, dass Gott zumindest einen Platz in euren Herzen hat.
Ihr habt auch Fragen an ihn. Das gehört dazu, wenn man mit dem Herzen bei einer Sache ist. Dann nimmt man nicht alles einfach hin. Dann denkt man darüber nach. Dann will man noch mehr darüber wissen.
Auch einige eurer Fragen will ich vorlesen:

  • Ich würde Gott gern fragen: Warum hast du böse Menschen erschaffen und warum gibt es Krieg?
  • Warum greifst du bei schrecklichen Dingen nicht ein?
  • Warum müssen oft unschuldige Menschen sterben?
  • Ich würde ihn fragen, warum es so schlechte Menschen gibt und warum mir oft solche Menschen etwas antun? Ich würd mich beschweren.
  • Ich würde fragen: Warum beschützt du uns nicht? Warum lässt du zu, dass Böses getan wird?
  • Wenn du uns und die Welt erschaffen hast, musst du uns und die Welt doch unter Kontrolle haben!
  • Ich würde gern wissen, ob es nach dem Tod wirklich das ewige Leben gibt.
  • Ich würde ihm sagen, dass er ein guter Gott ist. Es ist schön, dass du da bist.
  • Ich würde ihn fragen, ob ich im Leben etwas falsch gemacht habe.

Auch die Fragen zeigen, dass euch die Sache mit Gott zu Herzen gegangen ist. Es sind wichtige Fragen, die schon die Menschen bewegt haben, die unsere Bibel geschrieben haben. Diese Fragen gehören zum Glauben dazu.

Der ganze Konfirmandenzeit und der heutige Konfirmationstag sollen euch bestärken in dem Glauben: Es gibt einen Gott. Der wirkt auf seine geheimnisvolle und stille Weise in unserem Leben und im Zusammen-leben der Menschen auf der ganzen Erde.
Eine besondere Eigenschaft dieses Gottes ist diese: er ist barmherzig. Er lässt sich die Geschicke von Menschen zu Herzen gehen. Manchmal sieht es so aus, als ob Gott einfach schreckliche Dinge geschehen lässt, als ob er sich teilnahmslos alles von oben her anschaut. Durch Jesus wissen wir: Gott nimmt Anteil an unserem Leben. So sehr nimmt er daran Anteil, dass er seinen Sohn hat Mensch werden lassen.
Pfingsten feiern wir heute, die Ausgießung des Heiligen Geistes. Jesus hat, als er wieder von dieser Erde ging, seinen Geist zurück gelassen. Dieser Geist ermutigt uns Menschen dazu, selber wie Gott barmherzig zu sein.

In ihrer Schlussansprache hat die Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt gesagt:
"Der Kirchentag trägt seine Botschaft ins ganze Land:

  • Seid barmherzig, mit der Schöpfung, denn sie erträgt nicht alles,
  • Seid barmherzig mit den Fremden und Asylsuchenden, denn sie brauchen eine Heimat so wie du und ich,
  • Seid barmherzig mit den Andersglaubenden, denn sie suchen Gott so wie wir,
  • und: seid barmherzig mit euch selbst, gebt Gott Raum in eurem Herzen;
    denn er ist barmherzig, und wir können es auch sein.

Der heutige Tag soll euch ermutigen: Spürt euer Herz. Spürt dem nach, wofür es schlägt. Und lasst Gott weiterhin einen Raum in euren Herzen.