Konfirmation am 15. Mai 2916

 
Ansprache zur Konfirmation am 15. Mai 2016
Foto: F.B.

Der heutige Tag ist ein Festtag für euch Jugendliche und eure Familien und für die ganze Kirche. Denn der heutige Tag ist der Pfingsttag. Gott gießt seinen Heiligen Geist in die Herzen der Jünger und Jüngerinnen aus. Wie dieser Geist wirkt, konnten wir in den vergangenen Tagen gut draußen an der Natur beobachten.
Bis Freitag hatten wir fast zwei Wochen lang richtig sommerliche Tage ohne Regen. Ein warmer Wind wehte. Einige Pflanzen ließen bereits ihre Köpfe hängen. Ich gab ihnen Wasser, schon richteten sie sich wieder auf.
Genauso wirkt der Heilige Geist. Die Freunde und Freundinnen Jesu ließen nach seinem Tod ihre Köpfe hängen. Dann goss Gott seinen Geist über sie aus, und sie richteten sich auf. Sie fassten Mut und fingen an, anderen Menschen von Jesus zu erzählen. Das tut Gottes Geist bis heute. Er tröstet und macht Mut.

Bei der Taufe wird uns dieser Geist mitgegeben. Gottes Geschenk für uns. Mit dem Wasser der Taufe wird er über uns ausgegossen. Das Zeichen der Taufe macht deutlich: Wir haben etwas von Gott in uns, seinen Atem, seinen Geist. Die Konfirmation heute bekräftigt das noch einmal. Mit dieser Gewissheit sollt ihr in euer weiteres Leben gehen: Gottes Geist geht mit euch. Ihr dürft euch Kinder Gottes nennen. Wertvolle und geliebte Menschenkinder seid ihr. So sagen es Sprüche, die drei von euch ausgesucht haben.

Andere Sprüche weisen darauf hin, was das für unser alltägliches Tun und Lassen bedeutet. Weil Gott uns so sehr liebt, dass wir uns seine Kinder nennen dürfen, darum sollen wir uns auch als solche verhalten. Das ist Gottes Gebot, dass wir uns untereinander lieben, wie er uns liebt.

Wenn die Bibel von Liebe spricht, dann denkt sie nicht nur an die Liebe, die zwei Menschen miteinander verbindet. Dann denkt sie vor allem an das, was die Welt im Innersten zusammenhält: Der achtsame Umgang der Menschen miteinander und mit der Natur. Menschen, die von Liebe erfüllt sind, haben alles im Blick: sich selbst und die anderen. Sie achten nicht nur darauf, selbst voranzukommen, sondern bedenken auch, was das eigene Verhalten für andere Menschen bedeutet.

Der größte Gegensatz dazu ist die Gier. Die Liebe gibt bereitwillig etwas ab von der eigenen Zeit, der eigenen Kraft und auch vom eigenen Geld. Die Gier nimmt, was sie kriegen kann. Die Liebe lässt andere teilhaben an den eigenen Fähigkeiten. Die Gier nutzt alles für sich selbst. Die Liebe baut andere auf und ermutigt andere. Die Gier zerstört Lebensgrundlagen anderer Menschen, indem sie alles für sich behält. Die Liebe nimmt Rücksicht auch auf die Schöpfung. Der Gier ist alles andere egal.

Der Weltfußballer des Jahres ist ein Beispiel für die grenzenlose Gier. Dafür, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht hat, bekommt er Millionen. Von Verdienen will ich gar nicht reden. Er bekommt die Millionen, weil er etwas kann, was kein anderer Mensch auf der Erde so kann wie er. Dafür dass er sein Gesicht, das nicht einmal besonders schön ist, für verschiedene Firmen in die Kamera hält, be-kommt er noch einmal Millionen. Die hat sein Vater in Panama angelegt, sodass die Allgemeinheit ja nichts abbekommt von diesem unverdienten Reichtum. Die Kehrseite: Mehr als die Hälfte der jungen Menschen in Spanien sind arbeitslos, weil an allen Ecken und Enden das Geld fehlt. So ist es überall auf der Erde. Einzelne Menschen und große Konzerne raffen an sich so viel sie können, wie es den anderen Menschen geht, interessiert sie nicht.
Leider sind inzwischen viele Staaten von diesem Egoismus befallen, der nur auf sich sieht und nach außen Grenzen und Zäune zieht.

Die Liebe dagegen sieht hin, wie es anderen Men-schen geht. Sie kümmert sich darum, dass es auch den anderen gut geht.
Mir war wichtig, das in der Konfi-Gruppe mit euch zu praktizieren. Ich denke, das ist euch auch gelungen. Jede und jeder von euch hat ihren und seinen Platz in der Gruppe. Es gab kein Mobbing, kein Auslachen, wenn jemand etwas nicht so gut konnte, zum Beispiel etwas Mühe hatte beim Vorlesen. Jeder hat jeden akzeptiert, auch mit seinen Schwächen und Eigenarten. Und niemand hatte es nötig, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Gerade die, die eigentlich viel Grund hätten, sehr stolz auf sich zu sein, haben nicht geprahlt mit dem, was sie wissen und können.
Ich fand die zwei Jahre mit euch sehr angenehm. Ihr seid eine große Gruppe. Trotzdem war es in der Regel sehr ruhig, sodass ein gutes Arbeiten möglich war.
Gut fandet ihr die Gruppenarbeit an den Tischen. Da gab es auch untereinander viel zu erzählen, ihr hattet viel Spaß miteinander. Es herrschte ein gutes Klima unter euch.
Große Zurückhaltung legten die meisten beim Singen an den Tag. Ein Vater meinte, das kommt in drei, vier Jahren, dann wird die Sangesfreudigkeit größer. Ich bin gespannt.

Im Rückblick auf die gemeinsame Zeit haben viele von euch geschrieben, dass sie auch in Zukunft hin und wieder zum Gottesdienst gehen wollen. Ich wür-de mich sehr freuen, euch weiter hier zu sehen.
Einige wollen auch weiterhin den Gemeindegruß austragen oder in der Jugendarbeit mitmachen.

Davon lebt eine Gemeinschaft wie unsere Kirchengemeinde, dass Menschen in ihr mitarbeiten und sich auch an den Kosten beteiligen. Auch das meint die Liebe, von der in vielen eurer Sprüche die Rede ist: Sich mit um das größere Ganze kümmern, sei es in der Gemeinde, im Verein, in der Stadt und in unserem Land.

Auch wenn ihr erst einmal nichts weiter in der Ge-meinde tun wollt, eines sollt ihr mitnehmen und wis-sen: Es ist jemand da, der euch beschützt. Gott ist bei euch. Er sendet seine Engel, die euch behüten auf allen euren Wegen. Er sendet seinen Geist, der euch Kraft gibt und Mut macht, euer Leben zu bestehen.
Das sollt ihr festhalten für alle Tage eures Lebens. Ihr seid gesegnet und sollt ein Segen sein.