Goldkonfirmation 06. November 2005

 

"Wir waren die letzten, die in unserem Dorf in Schlesien konfirmiert wurden. Kurz danach mussten wir alle raus." So erzählt eine, die am 6. November in der Wanheimer Kirche ihre diamantene Konfirmation feiern konnte. Ein anderer erinnert sich, dass er mit seiner Schulklasse im Allgäu evakuiert war und zusammen mit den dortigen Jugendlichen eingesegnet wurde. Vom allgemeinen Drunter und Drüber des nahenden Kriegsendes hat man da nicht viel gemerkt. Alle hatten genug zu essen. Abgesehen davon, dass viele Väter nicht da waren, konnte fast wie in Friedenszeiten gefeiert werden.
35 Jungen und 25 Mädchen, die den Krieg als Kleinkinder erlebt haben, sind nach dem Krieg am 27. März 1955 von Pastor Helmut Pickert konfirmiert worden. 14 von ihnen feierten am 6. November ihre GoldKonfirmation zusammen mit zwei weiteren, die an anderen Orten konfirmiert worden sind. Ursula Meybohm, eine der Mitkonfirmandinnen, hat in mühsamer Suche Adressen ausfindig gemacht, die wenigsten der damaligen Konfirmanden wohnen heute noch in Wanheim.
Als älteste Jubilarin führte Selma Preiß den Zug in die Kirche an. Sie feierte ihre Gnaden-Konfirmation, das 70-jährige Jubiläum. Nach so langer Zeit wieder in "ihrer" alten Kirche zu sitzen, war für viele ein bewegendes Erlebnis. "Sie hat sich ja gar nicht verändert", stellten einige erstaunt fest. Bände, Altar, Kanzel und Orgel stehen immer noch da, wo sie vor fünfzig Jahren gestanden haben. Der Bau dieser schönen alten Kirche, so empfanden es manche, verkörpert Kontinuität und Halt in einer Zeit, in der alles einem schnellen Wechsel unterworfen ist.
In seiner Predigt ging Pfarrer Friedrich Brand auf die Zeitumstände ein, in denen die Jubilare aufgewachsen sind. Er verknüpfte den Rückblick mit der diesjährigen Jahreslosung, die alle als Denkspruch mitbekamen: "Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre." Dass Jesus auch für uns bittet um Stärkung unseres Glaubens, das dürften wir uns einfach gesagt sein lassen, führte der Pastor aus.
Eine erneute Segenshandlung mit der Feier des Abendmahls ließ hinterher eine sagen: "Heute habe ich meine Konfirmation noch einmal richtig erlebt." Sie war auf der Flucht in einem Gottesdienst ohne feierlichen Rahmen eingesegnet worden.
Viel zu erzählen gab es beim anschließenden Mittagessen im Gemeindehaus. Herbstlicher Sonnenschein hüllte den ganzen Tag in ein warmes, angenehmes Licht.

Predigt zur Goldkonfirmation am 6. November 2005