Jubelkonfirmation am 08. 11. 2010

 
 
 

 

Silberkonfotamtion 2010

 
Predigt zur Jubiläumskonfirmation am 7 .November 2010
Psalm 46,2
Gott ist uns Zuversicht und Stärke
 

"Ein Trostpsalm", so hat Martin Luther den Psalm 46 überschrieben. Dieser Psalm hat ihm die Anregung gegeben für sein berühmtes Reformationslied "Ein feste Burg ist unser Gott". Jubilare, die vor fünfzig oder sechzig Jahren konfirmiert worden sind, haben dieses Lied auswendig gelernt.
Ich glaube, dass wir alle Trost ganz gut gebrauchen können. Darum habe ich den Psalm für den heutigen Gottesdienst ausgewählt.

Zunächst eine Klärung: Was ist mit Trost eigentlich gemeint? Schauen wir auf die Herkunft des Wortes. Eng verwandt mit dem Wort "Trost" sind die Worte "treu" und "trauen", auch das englische "tree", auf Deutsch "Baum". In dem Wort "Trost" steckt alles, was verlässlich ist, Festigkeit verleiht, Zuversicht weckt, Mut macht, Treue beweist und Stärke spendet.
Mit starken Bildern malt die Bibel den Trost aus, der von Gott kommt. Im Jesajabuch spricht Gott: "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ihr dürft saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes." (Jesaja 66,13.11) Trost, so kann man dieses Bild ausmalen, ist die Muttermilch Gottes. Ein solcher Trost nährt und stärkt uns, macht vergnügt und lässt uns geborgen sein.
Sicherheit und Geborgenheit verspricht auch das Bild von dem guten Hirten: "Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich."

Unser Gott, so sagt uns die biblische Botschaft, ist ein Gott, der tröstet und Mut macht. "Gott ist uns Zuversicht und Stärke, ein bewährter Helfer in allen Nöten". So beginnt der Psalm, den Martin Luther "Trostpsalm" genannt hat.
In einem Leben, das 40, 65, 75 oder gar 95 Jahre alt ist, hat sich Gott manches Mal als Zuversicht und Stärke und Helfer in der Not bewährt.

Die Art und Weise, durch die Gott uns Menschen begleitet, ist sein Heiliger Geist. Hanns Dieter Hüsch hat über das Wirken des Heiligen Geistes ein paar bemerkenswerte Sätze geschrieben:

"Der Heilige Geist ist im Auftrage Gottes unterwegs,
uns das Schwere leicht zu machen.
Es gibt aber Tage bei uns,
wo wir ihn wirklich nicht spüren
mit unserem kleinen Menschenglauben,
wo wir ihn aufs Neue erfühlen müssen
und glücklich sind,
wenn das Schwere plötzlich in uns abfällt
und Probleme sich aus dem Staub machen
und wir wieder anfangen zu lächeln,
weil der Geist in uns und bei uns ist.

Gott schickt seit Jahrtausenden
den Heiligen Geist in die Welt,
dass wir zuversichtlich sind,
dass wir uns freuen,
dass wir aufrecht gehen ohne Hochmut,
dass wir jedem die Hand reichen ohne Hintergedanken,
dass wir Gottes Kinder sind,
eins und einig,
von zartem Gemüt,
von fassungsloser Großzügigkeit
und von fröhlichem Herzen."
(Das Schwere leicht gesagt, S. 81-82)

So hilft uns Gott mit seinem Heiligen Geist, gibt uns Kraft und Zuversicht, tröstet und macht Mut. Das Wirken des Geistes zeigt sich daran, wie ein Mensch mit Problemen und Schwierigkeiten umgeht.
Wenn der Geist in uns und bei uns ist, fällt das Schwere plötzlich von uns ab, Probleme machen sich aus dem Staub und wir fangen wieder an zu lächeln. So Hanns-Dieter Hüsch.
In dem alten Trostpsalm heißt es: Weil Gott da ist als Zuflucht und Stärke und bewährter Helfer in der Not, darum fürchten wir uns nicht. Gott treibt mit seinem Heiligen Geist Angst und Frucht in die Flucht.
"Wir fürchten uns nicht, auch wenn die Erde sich wandelt, wenn Berge wanken in der Tiefe des Meeres und die Wassermassen tosen und schäumen."

Naturgewalten, gegen die wir Menschen machtlos sind, haben wir in diesem Jahr an verschiedenen Stellen unserer Erde am Werke gesehen. Das starke Erdbeben in Haiti, die Überflutung in Pakistan, die sengende Hitze in Russland. Die beiden letzten Katastrophen scheinen wie Boten des sich verändernden Weltklimas. Solche Katastrophen machen Menschen Angst. Gott schickt uns seinen Geist, damit die Angst uns nicht lähmt.

Er schickt uns seinen Geist, damit wir aktiv werden. Christlicher Glaube erschöpft sich nicht darin, bestimmte Glaubensinhalte zu kennen und für wahr zu halten. Sie, die Sie 1950 und 1960 konfirmiert wurden, haben im Konfirmandenunterricht viel auswendig lernen müssen. Zwei Stunden in der Woche hatten Sie Unterricht in dem Raum nebenan, wo die Gemeinde nach dem Gottesdienst Kaffee trinkt. Das Domcafé, so heißt dieser Raum, war früher der Konfirmandenraum. Der Pastor stand oder saß vor dem Fenster. In Reihen davor saßen fünfzig und mehr Konfirmanden. Für jede Stunde hatten Sie etwas auf: eine Frage aus dem Katechismus, Liedstrophen und Bibelverse. Der Unterricht bestand aus Abfragen, Aufsagen, danach wurde der neue Stoff durchgenommen, der zur nächsten Stunde zu lernen war. Das Gelernte wurde schließlich bei einer Prüfung vor der Konfirmation abgefragt. Einiges davon hat sich im Inneren eingeprägt. Die alten Choräle, die wir heute singen, sind vertraut. Ebenso einige Bibelsprüche.

Es gab einen Grund für das Lernen. Sie sollten als junge Leute etwas mitbekommen für Ihr Leben. Ein Wort, an das Sie sich halten können. Dazu haben Sie auch alle den Konfirmationsspruch erhalten. Für viele ist dieser Spruch ein Halt oder ein Leitwort fürs Leben geworden.

Christlicher Glaube ist nämlich vor allem eine Lebenshilfe. Er stärkt und befreit zu einem guten, Sinn erfüllten Leben.
"Gott ist uns Zuversicht und Stärke,
ein bewährter Helfer in allen Nöten."
So heißt das Leitwort dieses Gottesdienstes, das alle auf einer Urkunde als Gedenkspruch mit auf den weiteren Weg bekommen.
Der Glaube an diesen Gott nimmt uns die Furcht und befreit dazu, das Leben aktiv in die Hand zu nehmen. Erst einmal geht es darum, das eigene Leben gut und sinnvoll zu gestalten. Das ist heutzutage schwer genug.

Nach meiner Einschätzung ist es heute schwerer als vor fünfzig oder sechzig Jahren. Die meisten, die vor sechzig Jahren konfirmiert wurden, fingen nach der Konfirmation eine Lehre an. Die Konfirmation fand am Sonntag vor Ostern statt, der den Namen Palmarum oderPalmsonntag trägt. Mit dem Beginn der Osterferien endete für die meisten die Schulzeit. Acht Jahre Volksschule, das war früher die normale Schulausbildung. Viele der 1950 Konfirmierten blieben auch in Wanheim wohnen.
Das war zehn Jahre später schon ganz anders. Da verzweigten sich die Wege. Von den 51 Jungen und Mädchen, die 1960 hier in der Kirche konfirmiert wurden, wohnen nur noch fünf in diesem Stadtteil. Von den Silberkonfirmanden sind auch die meisten weggezogen. In heutigen Konfirmandengruppen gehen zwanzig Konfirmanden in zehn unterschiedliche Schulen.

Nach der Lehre gab es in den fünfziger und sechziger Jahren für alle eine Stelle. Söhne konnten in den Betrieben anfangen, in denen schon die Väter arbeiteten.
Die Lebenswege waren ziemlich klar vorbestimmt. Es gab auch noch allgemein verbreitete Ansichten darüber, was in Ordnung und was nicht in Ordnung ist. Dass man mit vierzehn Jahren bis in die Nacht auf Partys ging, war vermutlich noch für die Silberkonfirmanden undenkbar. Ebenso der Gedanken, mit sechzehn zusammen mit ein paar anderen Jugendlichen ohne Begleitung eines Erwachsenen Urlaub zu machen. Das ist heute vollkommen anders. Heute gibt es in unserer Gesellschaft keine Übereinstimmung mehr darüber, was normal und was unnormal ist. Für viele in der Gesellschaft ist alles erlaubt, was Spaß macht und was Geld bringt.
Wir werden überflutet mit einer Vielzahl an Reizen und Informationen. Es gibt tausend Verlockungen, diesen oder jenen Weg einzuschlagen. Wer weiß da noch, was der richtige Weg für einen selbst ist.
Die Moralvorstellungen, die früher viele Menschen teilten, die Werte, die allgemein galten, waren so etwas wie ein Geländer, an dem man entlang gehen und sich auch festhalten konnte. Heute muss jeder junge Mensch ohne Geländer seinen Weg finden. Wenn Eltern hier und da Grenzen setzen oder die Einhaltung bestimmter Regeln verlangen, gelten sie als doof und spießig. Das Leben heute, so meine Sicht der Dinge, ist unübersichtlich und damit auch schwierig. Dazu kommt die allgemeine Unsicherheit.
Äußere Umstände beeinflussen unser Leben auch in erheblichem Maße. Naturgewalten bedrohen uns zum Glück nicht in dem Maße wie die Menschen in anderen Teilen der Welt. Was ich als immer bedrohlicher empfinde, ist die weltweite Herrschaft der Finanzjongleure und Großunternehmen. Zur Zeit, so ist mein Eindruck, findet in unserem Land ein Ausverkauf statt. Die Regierung verkauft unsere Zukunft an Energiekonzerne und Unternehmen, die mit viel Geld hantieren. Volksvertreter sind zu Handlangern des großen Geldes geworden.
Der Psalm 46 spricht auch die politischen Bedrohungen an, die Menschen in Angst und Unsicherheit versetzen. "Nationen toben, Königreiche wanken". Nicht nur die Natur schafft Chaos, wenn ihre Gewalt entfesselt ist. Chaos entsteht auch da, wo Finanzmärkte entfesselt sind, wo Regierungen keine Kontrolle ausüben, wo einzelne Personen und Gruppen sich ungehemmt auf Kosten der Allgemeinheit bereichern können.

Wer oder was gibt uns Orientierung in dieser chaotischen Welt? Wo finden wir Halt und Sicherheit? Der alte Psalm behauptet: "Gott ist uns Zuflucht und Schutz, eine feste Burg, die Sicherheit und Geborgenheit bietet." Und wir hören den Ruf Gottes: "Lasst ab vom Krieg, lasst ab von Unrecht und Gewalt. Erkennt, dass ich Gott bin, der Höchste unter den Nationen, der Höchste auf Erden."
Von Gott geht klare Weisung aus. Seine Worte sind ein Halt in all dem, was das Leben schwer und unsicher macht.

Christlicher Glaube ist Lebenshilfe. Er gibt Halt fürs eigene Leben. Er ermutigt dazu, sich auch für das Leben ringeherum einzusetzen, im Stadtteil, in der Stadt, im ganzen Land. Ein wirksames Mittel gegen alles, was uns Angst und Sorge macht, ist, selber etwas dagegen tun. Der Glaube stärkt uns, wo und wie wir können, selber etwas beizutragen zum Wohl der Allgemeinheit.
Das Schöne dabei ist: Man ist dabei in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Wo auch immer man sich engagiert, man findet auf jeden Fall Verbündete. Wie zum Beispiel hier in der Gemeinde. Wer hier mittut, ist mit anderen zusammen.

Was gibt uns Trost? Das war die Frage am Anfang. Trost gibt uns der Glaube an den Gott, der uns Halt und Zuversicht bietet. Trost geben uns andere Menschen, denen wir uns anvertrauen können, die mit uns gemeinsam auf dem Weg sind. Diese Erfahrung haben Sie mit Sicherheit alle auf Ihrem Lebensweg gemacht. Trost ist da, wo Menschen einander zuhören, Freude und Leid miteinander teilen und füreinander verlässlich da sind.

Ein sichtbares Zeichen dafür, dass auch Gott für uns verlässlich da ist, ist diese Kirche. Sie ist wie eine schützende Burg. Wärme und Geborgenheit strahlt dieser Raum aus. Vielen Menschen hat dieser Ort schon Trost gegeben. Viele haben hier den Segen Gottes empfangen.
Wir erinnern uns heute an die Konfirmation, den Tag der Einsegnung. Die Erinnerung ist zugleich Vergewisserung. Gott wird weiterhin mit seinem Trost und Segen mit allen sein, die bei ihm Halt und Zuflucht suchen. Amen.