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Predigt zu Johannes 14,6
18. Juni 2006
Silberkonfirmation
Der Weg, die Wahrheit und das Leben
 

Die Konfirmation sie ist immer noch eine wichtige Station auf der Lebensreise. Am vergangenen Montag war die Anmeldung zum neuen Unterrichtsjahrgang, der nach den Sommerferien beginnt. Vierzig Jungen und Mädchen wollen den Konfirmandenunterricht mitmachen. Das sind bis auf wenige Ausnahmen fast alle evangelischen Kinder in dem entsprechenden Alter. Der Wunsch, so etwas wie den Segen für die Lebensreise zu bekommen, ist nach wie vor groß.
Segen weiterzugeben, ist seit jeher ein wesentliche Dienst der Kirche. Deshalb feiern wir mit diesem Gottesdienst auch den Abschluss unserer Festwoche zum hundertfünfzigjährigen Bestehen der Gemeinde. Es gab damals, vor 150 Jahren, noch keine Kirche in Wanheim. Dieses schöne Gebäude, in dem wir jetzt sind, ist seit 1903 das Gotteshaus der Gemeinde.
Schon ohne die Kirche hat sie Gottesdienst gefeiert in einem Saal der Schule, die hier schräg gegenüber stand. Die Gemeinde hat diesen Raum zu ihrem "Betsaal" gemacht. Auch der war ein Ort, in dem den Gemeindemitgliedern Segen zugesprochen wurde. Das geschah und geschieht bis heute am Ende eines jeden Gottesdienstes. Es geschieht bei der Taufe.
Damit in der neu gegründeten Gemeinde von Anfang an getauft werden konnte, haben die Eheleute Heinrich und Gerhardine Höschen diesen Wasserkrug gestiftet. Den gebrauchen wir heute noch, wenn wir hier in Wanheim ein Kind taufen. Die dazu gehörende Schale ist wohl verloren gegangen. Dafür gibt es noch den Kelch und die Brotschale, von denselben Stiftern für die Feier des Abendmahls zur Verfügung gestellt.
Bei der Taufe wird dem Menschenkind der Segen für sein gesamtes weiteres Leben zugesprochen. In der Feier des Abendmahls können wir immer wieder den Segen schmecken und sehen durch das, was Gott wachsen lässt, und durch die Gemeinschaft untereinander.
Gemeinde ist da um zu segnen. Das geschieht in besonderer Weise auch bei der Konfirmation. Was Segen ist und bewirkt, hat Jörg Zink auf einem Kirchentag einmal sehr anschaulich beschrieben:

"Nehmen wir an: ein Acker ist trocken. Es liegt Saat in ihm, aber es ist trocken. So wächst nichts. Nun setzt Regen ein. Die Saat geht auf und wächst. Der Regen segnet. Er hilft, dass etwas aufgeht, dass etwas wächst, dass etwas gedeiht. Wenn Gott seinen Segen über uns ausspricht, dann wächst etwas in uns, es gedeiht etwas, es reift Frucht.
Wenn ich eine Pflanze begieße, segne ich sie. Ich helfe ihr, zu gedeihen und zu wachsen. Wenn ich einen Menschen liebe, segne ich ihn. Ich helfe ihm, an sich selbst zu glauben, seine Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln.
Wenn Segen über einem Leben liegt, hat es Sinn. Es gedeiht, es wächst. Kraft geht von ihm aus, die auch andere stärkt. Versuche glücken, Werke gelingen.
Zufrieden und zuversichtlich ist der Mensch, der sich
Gesegnet weiß."

Ihr, die Männer und Frauen, die Pastor Blank am
7. Juni 1981 konfirmiert hat, habt damals kurz nach der Konfirmation ein Schockerlebnis gehabt. In dem Rückblick ist davon bereits gesprochen worden: Zwei Tage später verunglückte die Mitkonfirmandin Sabine Hochstein auf der Wanheimer Straße, als sie mit dem Rad in Richtung Stadtmitte unterwegs war. Dieses Unglück hat euch auf geradezu brutale Weise vor Augen geführt, dass der Segen kein Schutzmantel ist, der euch vor allem Bösen und Schweren bewahrt. "Warum musstest du so grausam und so jung sterben?" Diese Frage hat eine Mitkonfirmandin in ihr Ringbuch geschrieben. Darüber hat sie den Zeitungsbericht von dem Unfall eingeklebt.
Warum? Gerade konfirmiert, gesegnet für den weiteren Lebensweg, und dann ist dieser schon zwei Tage später zu Ende. Es ist schwer, das zusammen zu bringen. Nein, nicht nur schwer, es ist unbegreiflich, mit menschlichem Verstand nicht zu erklären.
Was hilft, ist der Blick auf Jesus. Bei ihm hat auch die Mitkonfirmandin Zuflucht gesucht, die schreibt:
"Wir alle können nicht verstehen, warum du sterben musstest, und es fällt uns schwer, weiterhin an Gott zu glauben. Doch wie geschrieben steht in Römer 8 Vers 38: Ich bin gewiss, dass nichts uns trennen kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn."

Jesus selbst ist eines gewaltsamen und viel zu frühen Todes gestorben. Er sah sein Ende auf sich zukommen und versuchte, seine Jünger darauf vorzubereiten. Sie sollten nicht verzweifelten, wenn es so weit sein würde.
Das JohannesEvangelium widmet den Abschiedsreden Jesu mehrere Kapitel. Sie beginnen mit dem tröstlichen Zuspruch: "Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich."
Mit anderen Worten: Bei allem, was passiert, lasst euch nicht überwältigen von Trauer, Schmerz und Verzweiflung. Hört nicht auf zu glauben an den Gott, der in Jesus seine Nähe und Liebe gezeigt hat.

Fast alle aus der Gruppe haben an der Beerdigung teilgenommen fünf Tage nach der Konfirmation. Das Geschehen hat sich tief in die Erinnerungen eingegraben. Wie ein schwerer Stein liegt es manchen noch heute auf dem Herzen.
Ihr seid euren Weg weiter gegangen. Da haben noch andere Steine im Weg gelegen. Wenn man vierzig geworden ist oder kurz davor steht, hat man schon manchen Brocken aus dem Weg räumen oder über manchen steinigen Weg gehen müssen, manches zu tragen und zu ertragen gehabt.

Hier auf dem Parament, dem Schmucktuch, das in dieser Woche an der Kanzel hängt, sind einige Steine in den Stoff eingewebt. So ergeht es uns mit manchem Stein, den wir in unserem Leben zu tragen haben. Wir werden das Schwere nicht einfach los. Vielmehr lernen wir mit der Zeit, damit zu leben. Eine Wunde vernarbt. Ein trauriges Schicksal, wie der Tod der Mitkonfirmandin, wird zum Teil des eigenen Lebens. Manchmal stellt sich Dankbarkeit ein, wenn wir so einen Stein in unser eigenes Inneres eingewebt haben. Gerade die steinigen Wege helfen uns auch zu reifen, das Wichtige im Leben besser vom Unwichtigen zu unterscheiden. Und gerade auf den steinigen Wegen erfahren wir, dass wir nicht allein sind, sondern dass eine Kraft uns hält und trägt, die von außen kommt, die Gott uns schenkt.
Mit dieser Kraft wollte Jesus die Seinen im Voraus stärken und trösten: "Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich."
Der Glaube selbst ist eine Kraft. Und er führt einen mit Menschen zusammen, die zusätzlich Kraft und Halt geben. Einer, der in der vergangenen Woche etwas Schweres vor sich hatte, erzählte davon am letzten Sonntag. Selbst Menschen im Bereich der Arbeit, wo man es heute nicht mehr unbedingt erwartet, zeigten viel Anteilnahme, spendeten Trost und Zuspruch. So wächst im Inneren die Kraft, den Brocken zu tragen, der einem aufgebürdet wird.

Auf dem Tuch laufen einige Fäden an den Steinen vorbei. Zuerst habe ich gedacht, diese Fäden sollen einen Weg andeuten, vielleicht unseren Lebensweg. Aber kein Weg läuft schnurgeradeaus. "Die gerade Linie", so habe ich in einer BildBetrachtung gelesen, "ist gottlos. Die gerade Linie ist die einzige unschöpferische Linie. Die einzige Linie, die dem Menschen als Ebenbild Gottes nicht entspricht." (PS II/1 1998, s. 93)
Wie unser Weg nie ganz geradeaus führt, so werden wir auf dem Weg auch nie alle Steine hinter uns lassen. Solange wir in diesem Leben sind, werden wir immer wieder über steinige Wege gehen müssen. Immer wieder wird uns etwas schwer auf dem Herzen liegen.
Deshalb haben die Fäden, die an den Steinen vorbei und dann geradeaus nach oben führen, wohl etwas anderes zu bedeuten. Nicht zufällig sind die Fäden rot. Das soll vielleicht sagen. Durch jedes Leben läuft ein roter Faden. Dieser Faden ist so etwas wie unsere innere Bestimmung, der wir im Laufe unseres Lebens folgen oder versuchen nachzukommen. Er ist vielleicht auch so etwas wie unsere Verbindung mit Gott.
Die Fäden auf dem Tuch laufen senkrecht nach oben aus dem Bild heraus. Irgendwo müssen sie festgemacht sein, sonst könnten sie nicht so gerade verlaufen. Wer anders sollte unseren Lebensfaden festhalten als Gott. Wir sind gehalten. Diese Botschaft entnehme ich dem Bild. Bei allem, was wir zu tragen haben, sind wir gehalten.

Diese Botschaft hat auch Jesus seinen Jüngern da gelassen, als er sie auf den Abschied vorbereitete. Er hat ihnen gesagt: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben".
Auch Jesu Weg war kein gerader, sondern ein unbequemer, steiniger Weg. Er ging immer dort entlang, wo Menschen beladen waren. Allen, die eine Last zu tragen haben, hat Jesus gezeigt: Ihr seid damit nicht allein. Gott ist an eurer Seite.
Die Wahrheit, die Jesus verkörpert hat, besteht in seiner Zuverlässigkeit und Treue. In ihm hat Gott sich den Menschen zugewendet. Diese Zuwendung gilt für alle Zeiten. Es ist Verlass darauf, dass Gott da ist, uns auf geheimnisvolle Weise durchs Leben führt, uns Halt und Kraft gibt, wenn es schwer für uns wird.
Das Leben, das Jesus verkörpert, ist das ewige Leben hier und jetzt, das Leben, das eine Verbindung zu Gott hat.
Wo Menschen sich von einer Last nicht erdrücken lassen, sondern bereit sind, diese anzunehmen und zu tragen, da ist ewiges Leben in der Gegenwart.
Eine Sängerin aus dem Gospelchor, der am vergangenen Dienstag hier war, sagte hinterher, als wir noch zusammen saßen: "Es gibt eine Verbindung nach oben. Dadurch fühle ich mich gehalten, egal was kommt. Mir kann hier eigentlich nichts passieren." So ragt das ewige Leben in ihr jetziges irdisches Leben hinein. Es erfüllt und verändert dieses Leben. Denn wer sich so gehalten weiß, ist froh und zuversichtlich. Solche Freude strahlte der ganze Chor auch aus.

Dass es eine Verbindung nach oben gibt, das haben einige von euch Silberkonfirmanden als wichtige Botschaft aus der Unterrichtszeit und der Konfirmation mitgenommen. Bei der Vorbereitung dieses Gottesdienstes hat eine gesagt: "Ohne diese Verbindung wäre ich wohl manches Mal im Leben abgesoffen."
Diese Verbindung gibt dem eigenen Leben nicht nur Halt, sondern auch eine Richtung. In der Konfirmandenzeit habt ihr mitbekommen, dass diese Gemeinde sich in Sachen Frieden und Gerechtigkeit engagiert. Einige erinnerten sich, mit den Pfarrern auf der Brücke der Solidarität gestanden zu haben, um für den Erhalt der Arbeitsplätze in Rheinhausen zu demonstrieren. Andere waren auf dem Kirchentag, wo Zehntausende mit den lila Tüchern gegen die Aufstellung von Atomraketen protestiert haben.
Christliche Gemeinde kümmert sich auch um Steine, die Menschen außerhalb das Leben schwer machen oder die das gesamte Zusammenleben erschweren und gefährden.

Lasten müssen gleichmäßig verteilt sein, sonst kippt das Ganze. Auch dafür steht dieses Tuch, und dafür steht Gemeinde ein. Das Presbyterium hat sich in diesem Frühjahr lange beschäftigt mit der ungerechten Verteilung der Lasten in unserer Gesellschaft. Aus unserer Sicht veranstaltet die Politik mit ihrer Gesetzgebung seit Jahren eine Umverteilung der Lasten von oben nach unten und eine entsprechende Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben. Jeden Tag kann man in der Zeitung lesen, dass in Folge der Steuer und Hartzgesetze immer mehr Menschen in unserem reichen Land verarmen. Und Armut, das wissen viele der Älteren hier, die den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt haben, ist ein harter Brocken, der tut richtig weh.
Der Weg, die Wahrheit und das Leben, die Jesus verkörpert hat, bedeuten auch eine gerechte Verteilung der Güter.

Noch ein letztes: Man könnte den roten Faden auch als Ader deuten, eine Ader, durch die göttliches Leben und Segen fließt. Segen soll euch heute noch einmal ausdrücklich zugesprochen werden. Für die nächsten 25 Jahre bis zur Goldenen Konfirmation sollt ihr wissen, dass Gott euch seine Kraft, seinen Trost und Halt, seinen Segen schenkt.

Den Gott, der uns hilft zu leben, den besingen wir jetzt mit unserem nächsten Lied


Gabengebet

Wir feiern das Mahl der Verbundenheit miteinander und mit Gott. Jesus selbst lädt dazu ein. Er ist der unsichtbare Gastgeber, wir sind Gäste an seinem Tisch. So segnet er uns: wir dürfen seine Nähe sehen und schmecken, uns davon trösten und stärken lassen.

Auf dem Tisch stehen Brot und Saft der Trauben.
Wir wollen danken für die Gaben:
Herr, unser Gott, wir loben dich.
Du schenkst uns das Brot, die frucht der Erde
und der menschlichen Arbeit.
Segne dieses Brot, das wir teilen,
dass es unsere Gemeinschaft
und unseren Glauben stärke.

Herr, uns Gott, wir loben dich.
Du schenkst uns die Frucht des Weinstocks,
Zeichen der Freude und des Festes.
Segne den Kelch und die Becher,
dass der Saft der Trauben für uns
zum Zeichen deiner Liebe werde.

Wie aus den Körnern das Brot,
aus den Trauben der Saft geworden ist,
so mache aus uns eine Gemeinde,
ein Zeichen des Friedens für die Welt.

Chor: Let Us Break Bread Together
Jesus hat das Mahl zum Zeichen seiner Nähe eingesetzt, als er kurz vor seinem Tod mit den Jüngern das Passahfest feierte.
Da nahm er das Brot...

Vaterunser
Chor: Aller Augen warten auf dich

Alle sind eingeladen; denn Jesus schließt niemanden von seinem Tisch aus. Zuerst bilden die Silberkonfirmandinnen und Konfirmanden einen Kreis um den Abendmahlstisch und dann alle anderen, die kommen möchten.
Den Jubilaren soll heute noch einmal in besonderer Weise der Segen zugesprochen werden. Deshalb bitte ich sie, in Gruppen nach vorn zu kommen wie damals bi der Konfirmation und sich nach der Segenshandlung in den Halbkreis um den Tisch zu stellen.

 

Rückblick auf die Konfirmandenzeit

1 Im Mai und Juni 1980 und 81 sind wir konfirmiert worden hier in der Kirche und drüben im Gemeindehaus.

2 Zwei Jahre Unterricht lagen hinter uns. Es war für uns, jedenfalls für viele von uns, eine gute und wichtige Zeit. Wir sind gern zum Unterricht gegangen, es war kein Muss für uns. Und es ging uns auch nicht ums Geld.

3 Natürlich haben wir uns auch über die Geschenke gefreut. Aber es stimmt: In erster Linie sind wir gegangen, weil wir etwas vom Glauben erfahren wollten. Wir wollten diskutieren, kritisieren und vor allem Fragen stellen. Ja, wir wollten etwas "in Frage stellen".

1 Ja, wenn ich da an unseren Lehrer in der Schule denke: Er hinterließ mehr Fragen als Antworten und war der Meinung, dass er allein etwas von Gott versteht. Wir sind zu Herrn Blank gegangen. Er hat unsere Fragen ernst genommen und wir haben gemeinsam nach Antworten gesucht.

2 Ja, er war immer nahe bei uns. Eine freundliche Grundstimmung prägte die Atmosphäre in der Unterrichtsgruppe, wir haben uns wohl gefühlt. Und wir haben viel gefragt.

3 Durch unsere Fragen und die Antworten von Herrn Blank und Okko haben wir etwas über den Glauben und über uns gelernt. Mir hat es in meinem weiteren Leben geholfen zu wissen, da ist jemand den wir Gott nennen. Ohne diese Hoffnung wäre ich des öfteren in Sackgassen gelandet.

1 Ich kann mich noch an ein Bild erinnern, auf dem eine Marionette zu sehen war. Unser Pastor sagte: "So seid ihr niemals für Gott!" Dieser Ausspruch begleitet mich immer noch und ich fühle mich mit meinen Fehlern von Gott angenommen.
2 Das war eine ganz wichtige Erfahrung: Wir sind angenommen. Uns wurde das Gefühl vermittelt, dass wir wichtig sind, so wie wir sind.

3 Ja, so wie wir waren, durften wir sein! Die Zeit der achtziger war mit einer brisanten politischen Lage versehen und wir haben die gesellschaftlichen Probleme immer mit in den Unterricht genommen. Das Leben wurde mit dem Glauben verknüpft. Herr Blank und Okko waren politisch immer aktiv und haben uns an den Diskussionen teilhaben lassen. Jeder auf seine Art.

1 In der Gesellschaft gab es heftigen Protest gegen den NatoDoppelbeschluss.

2 Das musst du erklären. Die Jugendlichen heute wissen nicht mehr, was damit gemeint ist.

1 Der Doppelbeschluss bedeutete die Aufstellung von Atomraketen hier in Westdeutschland. Hunderttausende sind dagegen auf die Straße gegangen. Einige von uns waren in Bonn mit dabei.

3 Und dann nach der Konfirmation auf dem Kirchentag in Hannover 1983. Da gab es die lila Tücher, mit denen gezeigt wurde: "Es ist Zeit für ein Nein ohne jedes Ja zum NatoDoppelbeschluss. Viele aus unserer Gemeinde waren dabei.

1 Mit Okko und Pastor Blank waren wir auf der Brücke der Solidarität, als drüben in Rheinhausen die Leute um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpften.

2 So haben wir gelernt, dass ein gewisser Einsatz zum Christsein dazu gehört. Glauben heißt eben auch, sich für Frieden und Gerechtigkeit zu engagieren.

3 Um den Frieden ging es auch bei unserer Konfirmation. "Selig sind, die Frieden stiften", dieses Wort Jesu war das Thema des Konfirmationsgottesdienstes 1980. Gemeinsam haben wir das Friedensgebet des Franz von Assissi gebetet.

1 Und wir bekamen eine Taube geschenkt. Die ist ja auch ein Symbol für den Frieden.

2 Wir haben neben der Beteiligung an Protestaktionen auch einiges unternommen. Eine Radtour haben wir gemacht und gemeinsam Volleyball gespielt.

3 Hin und wieder gab es eine Liturgische Nacht. Ich erinnere mich an die schöne Atmosphäre, die Gemeinschaft und die schönen Lieder.

1 Einige von uns haben bei einer Theatergruppe mit Okko und Dani mitgemacht. Wir haben im alten Gemeindehaus ein Stück zum Thema Drogen aufgeführt. Da war auch Wolfgang Marx mit dabei.

2 Nach der Konfirmation bin ich in ein Loch gefallen. Es gab in der Gemeinde keinen Raum mehr für unsere Fragen. Einige von uns hätten wohl gern noch irgendwie weiter gemacht. Aber dann war auf einmal Schluss.

3 Ja, das stimmt! Aber wir sind ja nie wirklich von der Gemeinde weg gewesen. Zumindest hin und wieder machen wir etwas mit. Wir wurden jedenfalls nicht aus der Kirch hinauskonfirmiert. Sondern die Konfirmandenzeit hat uns Mut gemacht uns weiterzuentwickeln. Wir sind aber auch kritischer geworden und suchen sehr genau aus an welchen Gottesdiensten und Veranstaltungen wir teilnehmen.

1 Auch meinem Konfirmationsspruch bin ich treu geblieben er hat mich immer begleitet. "Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm."
2 Ja, das ist ein schöner Spruch. Aber an dem Gott, der Liebe ist, habe ich schon bald große Zweifel bekommen. Zwei Tage nach unserer Konfirmation kam Sabine ums Leben, ihr erinnert euch, Sabine Hochstein. Sie wurde von einem LKW angefahren und starb kurze Zeit später im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen. Das war schrecklich. Fast die ganze Gruppe war bei der Beerdigung, am Freitag nach unserer Konfirmation.

3 Da ist sie wieder, die berühmte "WarumFrage". Warum lässt Gott das zu? Wie oft haben wir darüber gesprochen, aber wirklich verstehen kann ich das bis heute nicht. Zu groß ist die Wut, der Schmerz und die Trauer um zu begreifen, das Gott andere Wege geht als wir Menschen es uns Wünschen.

1 In meinem Tagebuch habe ich damals den Satz aus dem Römerbrief von dem Apostel Paulus notiert: "Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn."

2 Da ist sie wieder, die Liebe Gottes. Wir mussten uns irgendwie daran festhalten. Und Jesus selbst hat ja erfahren, dass diese Liebe einen nicht immer bewahrt vor Schmerzen und selbst vor dem Schrecklichsten, das passieren kann. Trotzdem hat Gott zu seinem Sohn gestanden. Wir hoffen, dass er auch zu Sabine steht und sie in das ewige Leben aufgenommen hat.

3 Wir dürfen froh sein, dass wir leben und diesen Tag feiern können. Wir freuen uns auf das Zusammensein mit unseren ehemaligen Mitkonfirmandinnen und Konfirmanden und auf den Gottesdienst in dieser schönen alten Kirche, die viele von uns als ein Stück "Nachhausekommen" ansehen.