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Predigt zu Lukas 21,25-31
am 7. Dezember 2008
2. Advent
 

Jesus bietet eine gute Performance

Wissen sie, was eine Performance ist? Das frage ich die Älteren unter uns. Ich habe mich das selbst gefragt, als ich in der vergangenen Woche beim Zeitunglesen eine Sendung mitbekam, die meine Kinder sich anschauten. Da wurde mal wieder ein Star gesucht. Acht junge Mädchen boten unentwegt eine Performance dar. Die drei Erwachsenen, die ihre Aufführungen beurteilten, gaben ihnen gute Noten. Sie habe wunderbar "performt", bekam eine zu hören und darf nun weiter hoffen auf einen Platz in der Superband.
Was ist nun eine Performance? Im Fremdwörterduden lese ich: "Von einem Künstler dargebotene künstlerische Aktion."
Das Internetlexikon fügt hinzu: Dabei kommen vier Grundelemente ins Spiel: Zeit, Raum, der Körper des Künstlers und eine Beziehung zwischen dem Künstler und dem Zuschauer.
Ich lerne daraus: Bei einer Performance bietet ein Mensch mit seinen körperlichen Ausdrucksmitteln etwas dar. Er tut das nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Zuschauer. Er will unterhalten, unter Umständen auch auf etwas aufmerksam machen. Die Mädels in der CastingShow wollen natürlich mit ihrer Performance den Zuschauern und den strengen Prüfern gefallen.
Man könnte auch das, was ich hier jetzt tue, als eine Performance bezeichnen. Mein künstlerischer Ausdruck ist allerdings sehr begrenzt. Es kommt mir auch darauf an, dass Sie nicht auf mich achten, sondern auf das, was ich sage und nicht.
Wie ich weiter gelesen habe, erfreut sich das Wort nicht nur bei Casting-Shows großer Beliebtheit, sondern auch in Wirtschaftskreisen.
Performance bezeichnet laut Duden nämlich auch den "prozentualen Wertzuwachs des Vermögens einer Investmentgesellschaft od. auch eines einzelnen Wertpapiers."
Da hatten einige Papiere in letzter Zeit leider eine ganz schlechte Performance. Aber das nur am Rande. In Veröffentlichungen über die wirtschaftliche Entwicklung ist davon die Rede, dass auch Städte eine gute oder schlechte Performance haben.
Beispielsweise lobt der stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift "Wirtschaftswoche" die Städte Dresden und Leipzig. In einem Vortrag am 5. September dieses Jahres sagt er: Sie "haben das Wirtschaftswachstum mehr als andere Städte genutzt und werden dafür mit einer positiven Performance auf dem Arbeitsmarkt und
einer verbesserten Sozialstruktur belohnt."
Eine Untersuchung, die vor drei Wochen erschienen ist, befasst sich mit dem Einfluss des Lehrergehalts auf "die Performance der Lehrer" und das dadurch erreichte Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler.
Performance ist also in aller Munde, zumindest bei Leuten, die auf der Höhe der Zeit sein wollen. Deshalb spreche ich heute Morgen auch einmal davon. Man will schließlich verstehen, was moderne Zeitgenossen reden.
Ich bin noch eine Erklärung schuldig, warum ich Ihnen das alles erzähle.
In einem Aufsatz über Jesus habe ich gelesen, dass auch er seinen Zuschauern und Zuhörern eine Art Performance geboten hat. Jesus, so schreiben die Evangelien, hat "Zeichen" getan. Die Art von Zeichen, die Jesus getan hat, waren performative Zeichen. So nenne das Leute, die über die Bedeutung von Zeichen nachdenken. "Performative Zeichen" also hat Jesus getan. Das sind Zeichen, die im Vollzug das geschehen lassen, was sie zeigen und worauf sie hinweisen. Der Schreiber des Aufsatzes gibt ein Beispiel: "Ein performatives Zeichen ist das Vorfahrtsschild. Es deutet das Vorfahrtsrecht nicht nur an, sondern erteilt es zugleich." Ein solches Zeichen tut, was es anzeigt. Es zeigt an: Du hast Vorfahrt. Und es erteilt dir zugleich das Recht, die vorfahrt zu nutzen.
Unentwegt berichten die Evangelien von Zeichen, die Jesus getan hat und die Menschen von ihm sehen wollen. Johannes der Täufer zum Beispiel schickt seine Jünger zu Jesus und lässt sie fragen: "Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?" Darauf antwortet Jesus: "Geht hin und sagt Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt." (Matthäus 11,3-5)
Mit diesen Zeichen hat Jesus einzelnen Menschen geholfen. Den Zuhörern und Zuschauern hat er damit einen Hinweis auf die Königsherrschaft Gottes gegeben und diese zugleich vollzogen. Mit seinem gesamten Tun wies Jesus nicht nur hin auf die Königsherrschaft Gottes, sondern vollzog ihre heilsame Gegenwart. "Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Hier und jetzt ist es da." Das war seine zentrale Botschaft. Hier und jetzt bei dem, was Jesus sagte und tat. Hier und jetzt, wo Menschen im Glauben daran handeln.
Diese Performance hat Jesus den Menschen geboten. Er hat Zeichen gegeben, die im Vollzug das erfahren ließen, worauf sie hinweisen sollten: Gottes Reich ist nahe, es ist gegenwärtig.

Nun geschehen auch andere Zeichen. Zeichen, die es den Menschen angst und bange werden lassen. Zeitungen und Fernsehen sind voll davon. Durch die moderne Technik ist die Welt zusammengerückt. Wir bekommen jede Katastrophe mit, die irgendwo in der Welt geschieht.
Jesus hat seine Jüngerinnen und Jünger vorbereitet auf die Zeit ohne ihn, in der Erschreckendes geschehen werden:
"Die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte des Himmels werden ins Wanken kommen. Sie verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres."


Für Menschen, die Jesu Botschaft von der Nähe des Gottesreiches verstanden haben, wird dies nicht alles sein, was sie sehen. Jesus kündigt ihnen an: "Alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit".
Mitten in dem, was Menschen Angst macht, was ihnen die Zukunft finster erscheinen lässt, wird er da sein, gleichsam als Lichtstreifen am Horizont. Eine neue Performance kündigt Jesus an: Er selbst wird wiederkommen mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Ich glaube, wir müssen Jesus so verstehen, wie er von dem Reich Gottes gesprochen hat. Das Reich Gottes ist für ihn nicht ein Geschehen in ferner Zukunft, jenseits unserer Zeit. Sondern es ist eine andere Dimension, die in das Leben hier und jetzt einbricht, die heilsame Gegenwart Gottes. Genauso wird auch Jesu heilsame Gegenwart hier und jetzt zu spüren sein mitten in dem, was Menschen angst und sorge macht. Die Wiederkunft Christi ereignet sich nicht erst am Ende unserer Tage, sondern hier und jetzt.
"Sie werden ihn kommen sehen in einer Wolke". In einer Wolke ist Gott dem Volk voran gegangen auf seinem langen Weg durch die Wüste. In der Wolke war Gott gegenwärtig, und die Wolke verhüllte ihn zugleich. So will sich auch Jesus in einer Wolke sehen lassen, zugleich verhüllt ihn die Wolke.
Das Bild macht deutlich: Seine Gegenwart ist nur dem zugänglich, der daran glaubt. Nur Glaubende sehen und spüren seine Kraft und Herrlichkeit. "Wenn aber dieses anfängt zu geschehen", - wenn also Menschen anfangen, an das Kommen Jesu zu glauben und mitten in den Schreckensnachrichten ihrer Tage Zeichen seiner Gegenwart erkennen - "dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht."

Was auch passiert, so höre ich die Botschaft Jesu, ihr könnt darauf vertrauen, dass ich da bin und dass Rettung nahe ist. Niemand soll den Kopf hängen lassen, niemand soll meinen, er wäre allein seinem Schicksal ausgeliefert. "Erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht."
Da das oft so schwer zu glauben ist, weist Jesus auf ein Zeichen der Natur hin: "Lernt an dem Feigenbaum ein Gleichnis: Wenn seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist."
Mitten im Winter mit seinem unfreundlichen nasskalten Wetter hören wir heute diese Botschaft. Wenn ich aufmerksam manche Büsche draußen betrachte, dann sehe ich, dass sie bereits Knospen gebildet haben. Es dauert nur noch ein paar Monate, dann werden sie aufbrechen, dann wird wieder Frühling sein.

Vom Feigenbaum lernen, heißt, das Gleichnis auf uns selbst beziehen. "So ist es mit euch", fährt Jesus fort: "Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, dann wisst ihr, dass das Reich Gottes nahe ist."
Im Advent sehen wir die Lichter, die darauf hinweisen, dass Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat. Jesu Ankunft auf der Erde ist wie die Knospen am Feigenbaum. Die deuten darauf hin, dass der Sommer nahe ist. So zeigt Jesus mit seinem Dasein, dass der Sommer der göttlichen Gnade gekommen ist.

Das Zeichen, das Jesus gegeben und mit Leben erfüllt hat, ist dies: Erlösung ist nah zu jeder Zeit. Wenn Menschen in der Hoffnung darauf ihre Köpfe erheben, dann fängt sie an, sich zu ereignen. Denn dann verlieren Menschen ihre Angst, ihre Mutlosigkeit, ihre Verzweiflung. Dann überwinden sie ihren Hass und ihre Ich-Sucht. Erlösung naht sich hier und jetzt, wo wir Menschen ihr Raum geben in unserem persönlichen Leben und in unserem Gemeinwesen.
Es mag angesichts der vielen Geschehnisse auf der Erde, die uns Angst und Sorge machen, vermessen sein zu sagen: "Seht auf, erhebt eure Häupter, weil Rettung nahe ist." Aber so groß ist Jesu Vertrauen in Gott und seine Hoffnung auf ihn, dass er überzeugt ist: In allem und sei es noch so schrecklich, will Gott seinen Menschenkindern zu Hilfe kommen und sie bewahren davor, dass noch mehr Schlimmes geschieht.
Dafür braucht er uns Menschen. Dafür braucht er Menschen, die aufsehen und ihren Kopf erheben in der Hoffnung, dass Hilfe und Rettung nahe ist. Gott braucht uns als die, die seinen Willen hier auf der Erde verkünden und tun. Er will unser Mittun und unsere Mitverantwortung. Die Kraft, die wir nötig haben, wenn wir Menschen uns in den Dienst Gottes zu stellen, schenkt Gott selbst.

Diese Performance bietet uns Jesus. Er lässt uns etwas sehen, die Zeichen des Himmels. Und er gibt Kraft, im Glauben daran zu leben. "Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht." Wer dies hört, der hält seinen Kopf hoch; denn er oder sie weiß: Das ist von Jesus, und seine Worte sind wahr und gewiss.