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Predigt zu Lukas 18,27
31. Mai 2009
Konfirmationspredigt zur Jahreslosung
 
"Bei Gott ist alles möglich", so heißt das Thema dieses Gottesdienstes. Das klingt wie der Werbespruch einer Autofirma. Aber diesen Satz hat jemand gesagt, lange bevor es Autos gab. Er steht in der Bibel und ist als Losung für dieses Jahr ausgewählt worden. Die Losung soll uns das ganze Jahr über begleiten, zum Nachdenken anregen. Sie soll unseren Glauben und unsere Hoffnung stärken.
Die Jahreslosung 2009 ist besonders dazu angetan, uns ein paar hilfreiche Gedanken mit auf den Weg zu geben. Ich meine, sie passt auch gut zu unserer Konfirmation.

Ihr habt große Wünsche an euer Leben: Einen guten Schulabschluss wollt ihr schaffen und einen guten Job bekommen, immer gesund und glücklich sein, von Krieg und anderen Katastrophen verschont bleiben. Ihr wünscht euch, dass ihr eure Ziele erreicht und eure Lebensträume sich erfüllen.
Große Wünsche, wie gesagt. Die Jahreslosung macht euch Mut, an euren Wünschen festzuhalten. Und sie stärkt euch, daran mitzuarbeiten, dass die Wünsche wahr werden.
Denn einiges könnt ihr selber dazu tun. Durch Fleiß und gute Mitarbeit in der Schule könnt ihr dazu beitragen, dass ihr einen guten Abschuss schafft. Durch ordentliches Essen und viel Bewegung draußen an der frischen Luft könnt ihr dazu beitragen, dass ihr gesund bleibt. Indem ihr euch selber kritisch beobachtet, immer wieder über euch selbst und euer Verhalten nachdenkt und aus euren Fehlern lernt, könnt ihr daran arbeiten, dass euch das Leben gelingt.

Ein glückliches und erfülltes Leben können wir Menschen uns nicht selber machen. Aber wir können auch dazu einiges beitragen. Wir können uns zum Beispiel immer wieder fragen: Was habe ich heute Schönes erlebt? Wofür kann ich dankbar sein? Je mehr wir die schönen Seiten des Lebens wahrnehmen, desto glücklicher sind wir. Und je glücklicher wir sind, um so älter werden wir. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen.
Der Arzt Eckart von Hirschhausen hat ein Buch über das Glück geschrieben, es heißt "Glück kommt selten von allein". Drei Sätze daraus lese ich vor:
"Der größte Trick, sein Leben zu verlängern, ist kein großes Geheimnis, sondern ganz einfach: Lass einfach alles weg, was das Leben nachweislich verkürzt. Wer nicht raucht, nicht zu viel säuft und Fettes isst, wer Spaß mit sich und anderen hat, lebt vierzehn Jahre länger als einer, der lieber Risikofaktoren sammelt." (S.31)
Ein langes und schönes Leben wünscht ihr euch alle. Eine Garantie ist der Trick von Eckart Hirschhausen nicht. Auch wenn man alles lässt, was das Leben nachweislich verkürzt, kann man krank werden. Dazu noch ein Satz von ihm: "Wenn Menschen schwer krank sind, verlängert ein positiver Gemütszustand nicht das Leben, wohl aber die Lebensqualität." (S.30)

Manche Menschen haben Glück: Denen wird ein positiver Gemütszustand schon in die Wiege gelegt, mit den Genen mitgegeben, wie wir heute sagen. Oder sie erfahren in ihren ersten Lebensjahren viel Liebe und Geborgenheit, so dass sie voller Freude und Optimismus jedem neuen Tag entgegen sehen. Von einigen aus eurer Gruppe haben wir am Anfang gehört, dass sie immer gut drauf sind. Die gehören zu den glücklichen, die einen positiven Gemütszustand einfach haben.
Andere müssen sich den erst erarbeiten. Da kann auch die Losung dieses Jahres ein wenig mithelfen. Sie macht uns Mut, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen.

Auf unserem Gottesdienstprogramm ist vorn ein Bild abgedruckt, das eine Künstlerin zu der Jahreslosung gemalt hat. Im Original ist das natürlich farbig. De linke Seite ist in einem dunklen Grauton gehalten, die rechte dagegen leuchtet in hellen Farben. Besonders auffällig ist die Brücke in der Mitte des Bildes gestaltet. Links sind graue Steine zu erkennen, rechts geht sie in Regenbogenfarben weiter. Ich deute das so: Wir Menschen fangen manches an und haben vielleicht irgendwann Zweifel, ob das richtig ist, ob das Sinn und Zukunft hat, ob es überhaupt möglich ist, das Angefangene fortzuführen. Vielleicht kommen wir dabei auch an den Punkt, wo wir aufgeben möchten, wo wir sagen: es geht nicht. An einer solchen Stelle hilft der Glaube weiter. Der Glaube sagt: doch, es geht. Mit Gottes Hilfe, im Vertrauen auf seine Kraft ist vieles möglich. Mit dieser Hoffnung sieht die Welt schon ganz anders aus, hell und freundlich.
Eckart von Hirschhausen gibt einen Satz von Marc Aurel wieder, dem römischen Kaiser aus dem zweiten Jahrhundert. Der hat geschrieben: "Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an".
Hirschhausen erklärt den Satz so: "Bin ich düster drauf, stelle ich mir die Zukunft genauso düster vor und finde für diese Annahme viel Bestätigung in der düsteren Vergangenheit. - Scheint gerade die Sonne in mein Zimmer, komme ich in Urlaubslaune und - Schwups - fallen mir lauter schön Szenen aus dem letzten Urlaub ein. Ich bin noch besser drauf als durch die Sonne allein und male mir gleich den nächsten Urlaub aus."

"Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an". Das Bild zu der Jahreslosung gibt das sehr schön wieder. Bin ich schlecht drauf, dann denke ich: Das geht nicht, das schaffe ich nicht, das wird nie etwas. Vielleicht fange ich dann sogar an, schlecht über mich selbst zu denken: Ich bin ein Versager, ein Looser, aus mir wird nie was. Und dann sieht die Welt ziemlich grau und trostlos aus.
Lasse ich mich dagegen erfreuen von den hellen und bunten Farben des Lebens, dann denke ich: Das Leben ist schön, viele Möglichkeiten stehen mir offen, ich kann dies oder jenes ausprobieren, es wird schon gut gehen.
Dass unsere Seele die hellen Farben der Hoffnung annimmt und sich davon beflügeln lässt, dazu ermutigt die Jahreslosung. Sie weist hin auf die Möglichkeiten Gottes, die über das hinaus reichen, was wir Menschen zu glauben und zu hoffen wagen. Macht euch vor allem viele helle Gedanken über euch selbst, über andere Menschen und das Leben insgesamt, damit eure Seele mit der Zeit immer mehr die hellen, freundlichen Farben eurer guten Gedanken annimmt.

Solche Ermutigung soll die Konfirmation euch mit auf eure weiteren Wege geben: Was auch kommt, vertraut darauf, dass Gottes Kraft in euch ist, dass er euch in geheimnisvoller Weise führt und immer wieder zum Guten fügt, was ihr beginnt. Vertraut auf eure eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten.