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Predigt am 1. September 2012
Matthäus 7,24-27 zur "Bermesse"
Lesung aus der Bergpredigt
 

Jesus ist einige Male auf eine Anhöhe gestiegen, um zu den Menschen zu sprechen. Einige Worte von ihm hat der Evangelist Matthäus zusammengestellt zu seiner berühmten Bergpredigt.
Wir hören daraus die Verse, mit denen die Rede abgeschlossen wird.

So spricht der Herr Jesus Christus:
Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
So vollendete Jesus seine Rede.
Und alle, die seine Worte hörten, waren tief beeindruckt. Denn er lehrte sie mit Vollmacht.


"Bergpredigt"

Von Menschen in Bayern und Österreich stammt die Idee für unser heutiges Zusammentreffen hier oben auf der Anhöhe. In den Alpen veranstalten sie regelmäßig Bergmessen. Diesen Namen haben wir übernommen. Eine Bergmesse dient dazu, unter freiem Himmel inmitten der großartigen Schöpfung Gottes gemeinschaftlich den Schöpfer zu loben und das Miteinander zu stärken.
Denn es ist ein besonderes Gemeinschaftserlebnis,
außerhalb der für die Gottesdienste vorgesehenen Räume zusammen zu kommen. Schon der Weg hierher hat Menschen ins Ge-spräch miteinander gebracht.

Der Weg hierher ist ein gutes Sinnbild für unsere Lebenswege. Sie führen nicht immer gleichmäßig geradeaus. Das Leben macht Kurven und Biegungen. Manche Wege sind steinig und schwer. Manchmal stehen wir vor einem Berg und fürchten uns. Was vor einem liegt, scheint sehr schwer zu sein.

Der Weg durchs Leben wird auch durch das Kunstwerk symbolisiert, das nun hier auf diesem Hügel aufragt. Es ist zu einem gro-ßen Anziehungspunkt geworden. Die Konstruktion erinnert an eine Achterbahn.
"Tiger&Turtle", diesen Namen haben die Künstler ihrem Werk gegeben. Es gibt Abschnitte in dieser Achterbahn, da läuft es sich leicht und locker, da kommt man schnell voran. Nicht ganz so schnell wie ein Tiger, aber schon recht zügig. An anderen Stellen geht es steil bergauf, da wird der Schritt langsamer, nicht ganz so langsam wie der Gang einer Schildkröte, aber man muss sich schon ein bisschen anstrengen, um hinaufzukommen.
So sind die Wege unseres Lebens. Es gibt Strecken, da geht alles gut und glatt, man spürt die Leichtigkeit des Dasein, das Leben macht Spaß. Doch hin und wieder kommt man auch auf Wege, da geht es nur mühsam voran, es kostet Mühe und Anstrengung, den Weg weiterzugehen.
Hier oben wird man belohnt für die Mühe des Aufstiegs. Aus 85 Meter Höhe - so hoch kann man auf diesem Kunstwerk steigen - eröffnet sich ein wunderbarer Blick ins Weite. Im Leben ist es nicht immer so. Aber wenn ein anstrengender, mit Schmerzen, Angst und Trauer verbundener Weg geschafft ist, dann stellt sich zumindest eine gewisse Erleichterung ein.

Beeindruckend ist nicht nur die Sicht, die man von hier oben hat. Beeindruckend ist dieses Kunstwerk selbst. "Landmarken gibt es mittlerweile einige im Ruhrgebiet. Doch kaum eine ist schon aus der Ferne betrachtet so eindrucksvoll wie die Landmarke im Duisburger Angerpark." So heißt es auf der Internetseite der Stadt Duisburg. Aus verzinktem Stahl ist die Konstruktion errichtet. Dieses Material stellt einen Bezug zum Standort her. Einst wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite Zink hergestellt. Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann sind als wichtiger Stahlproduzent nach wie vor aktiv.
Die einzelnen Rohre miteinander zu verbinden, war eine technische Herausforderung. Nicht weniger einfach war es, ein sicheres Fundament für das Kunstwerk anzulegen. Denn unter uns befindet sich eine Giftmüllhalde. Sie ist mit dicken Plastikplanen gut abgedichtet und einer Erdschicht bedeckt. Die Abdichtung durfte nicht beschädigt werden.

Ein Fundament brauchen wir auch für unsere Lebenswege, sicheren Boden, auf dem wir gehen können. Wie wichtig ein Funda-ment ist, wissen alle, die schon einmal ein Haus gebaut haben. Vorhin in der Lesung war die Rede davon. Klug wird der Mensch genannt, der sein Haus auf festen Stein baut. Dumm dagegen ist derjenige, der seinen Bau in den Sand setzt.
Mit diesem Gleichnis schließt Jesus seine Bergpredigt. Es ist klar, was er mit dem Fundament meint: Seine Worte, mit denen er weitergibt, was Gottes Wille und Weisung ist.
Das Wort Gottes, wie es die Bibel verkündet und wie Jesus es erneut zu den Menschen gebracht, soll das Fundament unseres Le-bens sein.
Die Menschen, die Jesu Bergpredigt gehört hatten, "entsetzten sich". So heißt es in der Übersetzung Martin Luthers. Tief beein-druckt, so umschreibt die evangelisch-katholische Einheitsübersetzung die Regung der Leute. Es ging ihnen zu Herzen, was Jesus gesagt hatte.
Betroffen waren Jesu Zuhörer, weil sie in den Worten Jesu die Stimme Gottes hörten.
Dass der große allmächtige Gott sich auf den Weg zu uns Menschen macht, um uns ins Gewissen zu reden, diese Tatsache an sich ist schon sehr bewegend. Berührend ist weiter, was Jesus uns Menschen zu sagen hat: Ihr seid Gottes geliebte Kinder. Wirklich entsetzt waren die Leute vielleicht deshalb, weil sie spürten: Diese Botschaft verändert unser Leben. Als Gottes geliebte Kinder müssen wir so leben, wie es einem Kind Gottes entspricht. Kleinliche Streitereien, Neid, Gier, Hass und Gewalt, all das darf unter uns keinen Platz haben.
Jesu Worte sind nicht nur das Fundament für unser persönliches Leben. Sie sind auch das Fundament für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft. Nur wenn es gerecht in einer Gemeinschaft zugeht, wenn dem, der Hilfe braucht, Hilfe zuteil wird, wenn alle ihren Beitrag leisten für das gemeinsame Wohlergehen, wenn alle bereit sind, einander zu akzeptieren und zu respektieren, nur dann hat eine Gemeinschaft Bestand.
Wo Einzelne auf Kosten der Allgemeinheit leben, da ist eine Gemeinschaft in Gefahr. Diese Gefahr spüren wir zur Zeit sehr stark in unserem Kontinent und weltweit.
Der freie Markt, auf dem Einzelne ungehindert schalten und walten können, wie sie wollen, ist ein Haus, das auf Sand gebaut ist.

Ehe es jetzt zu politisch wird, zurück zu uns hier auf der Anhöhe. Dieses Kunstwerk zeigt, was möglich ist, wenn das Fundament stimmt. Natürlich müssen auch die Statik und das Material stimmen. Aber Voraussetzung dafür, dass überhaupt irgendetwas ent-stehen kann, ist der feste Grund, auf dem das Werk errichtet wird.

Wenn das Fundament stimmt, kann auch ein Mensch eine Menge aus seinem Leben machen. Wenn der Mensch weiß und spürt, was seinem Leben Halt gibt, dann kann er seine Fähigkeiten entwickeln und zum Vorschein bringen. Dann kann er auch Schweres tragen und bewältigen. Der feste Bo-den unter den Füßen sorgt dafür, dass er nicht untergeht.

Noch etwas lehrt uns dieses Kunstwerk: Es geht steil in die Höhe. Dafür sind Stützen nötig, die den Rohren Halt geben. Solche Stützen brauchen auch wir manchmal im Leben. Andere Menschen, die uns beistehen und tragen helfen, wenn eine schwere Last auf uns liegt. Personen, die uns wieder verbinden mit dem Grund unseres Lebens. So wie diese Stützen die in die Höhe strebenden Rohre mit dem Fundament verbinden. Solche Stützen können wir füreinander sein.
Auch darum feiern wir diesen ökumenischen Gottesdienst als Bürgerschaft hier an diesem Ort, um uns daran erinnern zu lassen: dass wir uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam für das Wohlergehen aller in diesem Stadtteil lebenden Menschen mit sor-gen.
Dazu ermutigt uns Jesus mit seinem Wort.