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Predigt am 03.11.2013
Was ein Christ glaubt
Goldkonfirmation
 

Lesung aus dem Heidelberger Katechismus

Was ist wahrer Glaube? (Frage 21)

Wahrer Glaube ist nicht allein
eine zuverlässige Erkenntnis,
durch welche ich alles für wahr halte,
was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat,
sondern auch ein herzliches Vertrauen,
welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt, dass auch mir Vergebung der Sünden,
ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt ist, aus lauter Gnade, allein um des Verdienstes Christi willen.

So steht geschrieben:
Petrus spricht zu dem Herrn Jesus:
Herr, wohin sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens;
und wir haben geglaubt und erkannt:
Du bist der Heilige Gottes.

Und ein Gelehrter der jungen Kirche schreibt:
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht

Was muss ein Christ glauben? (Frage 22)

Alle Verheißungen des Evangeliums,
die im einmütigen Glaubensbekenntnis
der allgemeinen christlichen Kirche
zusammengefasst sind.

Was ein Christ glaubt
Predigt am 3. November 2013
zur Goldkonfirmation

Auch der Katechismus hat ein Jubiläum

Ein fünffaches Jubiläum feiern wir heute: Goldene, Diamantene, Eiserne und Gnaden-Konfirmation. Erinnerung an die Konfirmation vor fünfzig, sechzig, fünfundsechzig und siebzig Jahren. Das fünfte Jubiläum bezieht sich auf das Lehrbuch, aus dem Sie im Unterricht gelernt haben: Der Heidelberger Katechismus. Er wird in diesem Jahr 450 Jahre alt. Ein Grund, auch dieses Büchlein zu würdigen.
Sie werden damals als junge Menschen gestöhnt haben. Für die, die hier in Wanheim konfirmiert wurden, fand der Unterricht zweimal wöchentlich statt. Im ersten Jahr hieß er Katechumenenunterricht. Unterweisung im christlichen Glauben war das Thema. Diese Unterweisung geschah mit Hilfe des Katechismus.
Der ist in 129 Fragen und Antworten aufgeteilt. Sie hatten als junge Katechumenen von einer zur nächsten Stunde eine Frage nach der anderen auswendig zu lernen. Das war mit viel Mühen verbunden. Denn der Text reimt sich nicht und ist an vielen Stellen schwer zu verstehen.
Bei dem Vorbereitungstreffen Anfang Oktober fragte ich die Anwesenden, was sie behalten haben. Es stellte sich heraus: So gut wie nichts. Bruchstücke der Frage 1 waren noch einigen in Erinnerung: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
"Dass ich mit Leib und Seele, beides, im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin, der mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst hat und also bewahrt, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens versichert und ihm forthin zu leben von Herzen willig und bereit macht."
Tröstliche Worte. Aber nicht einfach, sie auswendig zu lernen. Zumal Sie damals den Sinn kaum verstanden. Aber die Unterrichtenden meinten es ernst. Für die 1953 und früher Konfirmierten war das Pfarrer Pickert. Für die Goldkonfirmanden war das Pastor Döninghaus, der Pastor Blank entlastete und für das erste Unterrichtsjahr zuständig war. Nach dem ersten Jahr gab es eine Prüfung. Da wurde das auswendig Gelernte abgefragt.
Im zweiten Jahr ging es weiter mit dem Lernen. Auch das schloss mit einer Prüfung ab. Nur wer die bestand, wurde dann vom Presbyterium zur Konfirmation zugelassen. Strenge Sitten damals. Als "ganz schlimm" haben das einige empfunden und die Fragen und Antworten des Katechismus schnell wieder vergessen.


Wichtig war das Zusammensein in der Gemeinde

Der Katechismus spielte auch im weiteren Leben keine Rolle mehr. Eine große Zahl der 1953 und 1963 Konfirmierten blieb auch nach der Konfirmation der Gemeinde treu. "Fräulein Lierhaus", so wurde sie genannt, leitete die "Jungschar". Gemeinsam mit Pastor Pickert führte sie im Sommer eine Freizeit durch. Das Blaukreuzheim in Wädenswil am Schweizer Zürichsee war das Ziel.
In den sechziger Jahren übernahm Jutta Bütteführ die Jugendgruppe. Zusammen mit Pastor Blank fuhr die Jugend nach Kärnten oder Interlaken, wo alle auf Strohsäcken in einer Almhütte geschlafen haben. Später war die Ramsau als Freizeitort angesagt. Frau Gutmann und Frau Dohmen waren als Köchinnen mit dabei. Weil sie so schön rund und dick war, wurde Frau Gutmann von allen "Tante Fine" genannt. Eigentlich hieß sie Elisabeth. Sie war ganz toll als Köchin und konnte gut mit den jungen Leuten. Wenn die mal über die Stränge schlugen, meckerte sie nicht, sondern sagte ihnen in ihrem Wanheimer Platt auf liebevolle Weise Bescheid. Gelegentlich fuhr auch Elisabeth Ziemer als Köchin mit. Die Gruppe versorgte sich selbst. Selbstverständlich mussten die jungen Leute bei der Küchenarbeit helfen. Die Freizeiten sind denen, die dabei waren, als tolle Erlebnisse in Erinnerung.


Der Katechismus enthält wichtige Aussagen

Auch wenn die Sätze des Katechismus so fremd klingen wie vor fünfzig und mehr Jahren, sie haben doch Wichtiges zu sagen.
"Was ist wahrer Glaube?", so heißt die Frage 21. "Was ein Christ glauben muss?", darauf antwortet die Frage 22.

Stärkung des Glaubens, das bedeutet die Konfirmation. Um eine erneute Stärkung und Bestätigung geht es bei der heutigen Jubiläumsfeier. Also lohnt es sich, einmal zu fragen, was ein Christ glaubt und was wahrer Glaube eigentlich ist.
Die Antwort, die der Katechismus gibt, ist durchaus bedenkenswert:

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis, durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt". Kurz gesagt: Wahrer Glaube ist eine zuverlässige Erkenntnis und ein herzliches Vertrauen.

Vertrauen ist so etwas wie der Boden unter unseren Füßen. Ein Geländer, an dem wir uns festhalten können. Vertrauen ist das, was uns Halt gibt. Ohne Vertrauen könnten wir nicht leben. Wir vertrauen darauf, dass die Erde sich in gleichmäßigem Abstand um die Sonne dreht und nicht aus ihrer Bahn fällt. Wir vertrauen darauf, dass nach jeder Nacht ein neuer Morgen kommt. Ich vertraue darauf, dass auf der Autobahn die anderen Fahrer auf der richtigen Spur unterwegs sind und mir nicht entgegen kommen. Ich vertraue darauf, dass der Bäcker mir frisches Brot verkauft, in dem keine Schadstoffe enthalten sind. Ich vertraue darauf, dass die Menschen in meiner Umgebung mir die Wahrheit sagen und mich nicht anlügen.
In den letzten zwei Jahren habe ich deutlich zu spüren bekommen, wie verwundbar mein Körper ist und wie verletzlich ich selber bin. Da habe ich neu vertrauen gelernt, so wie Dietrich Bonhoeffer es beschrieben hat:
"Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage
so viel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen."

Vertrauen braucht Erkenntnis

Um auf Gott vertrauen zu können, muss ich wissen, wer er ist. Vermutlich wird niemand von uns einem Menschen blind vertrauen, den er oder sie nicht kennt. Bevor wir jemandem unser Vertrauen schenken, müssen wir erst einmal vertraut mit ihm werden. Genauso ist es mit Gott.
Darum gehört zum Vertrauen auch die Erkenntnis. Damit ich Gott vertrauen kann, muss ich wissen, mit wem ich es zu tun habe. Gott ist größer als alles, was ich sehen und denken kann. Mein Verstand reicht bei weitem nicht, um Gott zu erkennen. Dazu reicht keines Menschen Verstand. Deshalb hat Gott sich von sich aus uns Menschen bekannt gemacht. Er hat das Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit und in ein Land geführt, in dem es gut leben konnte. So hat er sich bekannt gemacht als Gott, der eingreift in unsere menschlichen Geschicke. Ein Gott, der sieht, wo Menschen in Not sind, der ihr Klagen hört, der hilft, der Menschen befreit und auf guten Wegen führt.
Israel hat die von Gott geschenkte Freiheit allerdings wieder verspielt. Anstatt den Weisungen Gottes zu folgen, gingen die Könige eigene Wege. Die Gier nach mehr Macht und größerem Reichtum trieb sie an. So wuchs die Ungerechtigkeit im Land. Von außen wuchs die Bedrohung durch fremde Mächte. Die nahmen Israel in Besitz. Der Staat hörte auf zu existieren. Nun warteten die Menschen sehnsüchtig darauf, dass Gott noch einmal eingreifen und sie befreien würde.
Da sandte Gott seinen Sohn. Durch ihn machte er sich aufs Neue der Menschheit bekannt. Als Gott, der Traurige tröstet, der Weinenden die Tränen abwischt, der Niedergeschlagene aufrichtet, der Blinde sehen und Taube hören lässt. Durch Jesus wissen wir: Unser Gott ist einer, der mit uns Menschen etwas zu tun haben will, der uns in seine Gemeinschaft ruft. Niemand soll außen vor bleiben. Niemand soll sagen: ich bin zu schlecht, zu unwürdig, um in Gottes Nähe zu sein. Niemand soll sagen: Ich habe es nicht verdient, dass Gott sich um mich kümmert. Besonders der Menschen hat Jesus sich angenommen, um die sich sonst niemand gekümmert hat. Er hat den Menschen verloren gegangenes Vertrauen wieder geschenkt, Vertrauen in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten. Dadurch sind Menschen heil geworden. "Dein Glaube, dein Vertrauen hat dir geholfen." Mit diesem Satz hat Jesus einige Menschen geheilt nach Hause geschickt.
Die Erfahrungen, die Israel mit Gott in seiner Geschichte gemacht hat und die Menschen mit Jesus gemacht haben, haben Menschen sich weiter erzählt und aufgeschrieben. Ihre Aufzeichnungen sind gesammelt in dem Buch, das für uns das Buch der Bücher ist, die Bibel. Durch dieses Buch können wir erkennen, wer Gott ist und was er für uns tut.
Zuverlässige Erkenntnis über Gottes Wirken gewinnen wir aus der Bibel. Sie macht uns vertraut mit Gott, sodass wir ihm vertrauen können.

Der Katechismus fasst zusammen, was die Bibel von Gott uns seinem Wirken berichtet. Friedrich III, Fürst der Kurpfalz hat ihn in Auftrag gegeben. Zacharias Ursinus, ein Schüler des Reformators Melanchthon, lieferte den Entwurf. Andere Heidelberger Theologen und der Kurfürst selbst reicherten den Text mit eigenen Erkenntnissen an. Im März 1563 kam die erste Ausgabe des Heidelberger Katechismus heraus, versehen mit einem Vorwort des Kurfürsten.
Sein Ziel war es, den Glauben der Menschen in der unruhigen Zeit nach der Reformation zu stärken und zu festigen. Die Menschen sollten wissen, was sie glauben. Die Lehrer sollten ein Unterrichtsbuch haben für die Jugend. Das ist der Katechismus jahrhundertelang geblieben. Er ist weltweit verbreitet. Die Themen, die der Katechismus anspricht, bestimmen auch heute noch den kirchlichen Unterricht: Glaubensbekenntnis, Gebote, Taufe und Abendmahl, das Vaterunser und das Leben als Christ.

Auch wenn sie, die heutigen Jubilarinnen und Jubilare, inhaltlich nicht mehr viel wissen von dem, was im Katechismus steht, eines haben Sie mitgenommen auf Ihre Lebenswege: Das Vertrauen darauf, dass ein Gott da ist, der es gut mit uns Menschen meint.
Sicher ist nicht alles glatt gegangen in Ihrem Leben. Schwierige Wegstrecken, Krankheiten, Verluste, Abschiede - all das erspart Gott uns nicht. Je älter wir werden, desto mehr bekommen wir damit zu tun. Aber Gott lässt uns auch spüren, dass er als eine stille Kraft an unserer Seite und in uns ist. Heiliger Geist, so nennen wir diese Kraft. Sie schenkt uns Hoffnung und Zuversicht. Durch sie erfahren wir, dass Gott da ist, tröstet, macht Mut.
An einem Tag wie diesem empfinden wir Dankbarkeit für das bisherige Leben, für manche gute Fügung Gottes. Auf geheimnisvolle Weise hat uns bis hierher gebracht und geleitet. Im Vertrauen auf ihn wollen wir unsere weiteren Wege gehen. Solches Vertrauen wünsche ich Ihnen und uns alle.