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Predigt am 13. September 2014
"Bergmesse"
 
 

"Die Erde gehört dem Herrn". Denn er hat alles geschaffen. Gut hat er alles gemacht, wie Gott am Ende eines jeden Schöpfungstages feststellt. So lautet auch sein Urteil über sein gesamtes Werk: "Es war sehr gut."

Ja, diese Schöpfung ist Gott wirklich gut gelungen. Wenn wir uns umschauen, dann sehen wir viel Grün. Wir sehen den Fluss, der seit Jahrtausenden daher fließt. Und wir sehen vieles, was Menschen geschaffen haben. Wer ein wenig in der Welt herumgekommen ist, der weiß: Es gibt viele wunderbare Stellen auf dieser Erde. Wo die Natur noch weitgehend unberührt ist, da kann man nur staunen, wie schön sie ist. Ja, es ist gut, was Gott gemacht hat.

Sein einziger Fehler ist der Mensch, so wird manchmal gesagt. Aber auch der Mensch ist von Gott geschaffen. Auch ihm gilt Gottes Urteil: "Es war sehr gut." Gott hat ihm sogar eine besondere Stellung gegeben. Er hat ihn zu seinem Ebenbild gemacht. "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau." So heißt es in der biblischen Schöpfungsgeschichte. Was den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet, ist, dass er wie Gott bewusste Entscheidungen treffen kann. Bei Gott sind wir gewiss: Seine Entscheidungen sind zum Guten. Er hat alles gut geschaffen und er macht alles gut.
"Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird´s wohl machen." So heißt es in einem Psalmvers. Und ein anderer Psalm ermahnt uns, nicht zu vergessen, "was er dir Gutes getan hat".

Vieles, was wir Menschen tun, ist auch gut. Gut für uns selbst, gut für unsere Nächsten und gut für unsere Umwelt. Aber wir tun auch Dinge, die nicht gut sind, die äußerst schädlich sind für andere Menschen, für die Umwelt und letztlich auch für uns selbst.

Hier oben auf dem Berg können wir beides sehen. Wir blicken auf das Gelände, in dem sich das Logistikunternehmen Logport angesiedelt hat. Auf diesem Gelände befand sich die Zinkhütte, die zuletzt diesen Namen hatte: "Sudamin MHD GmbH". Im Jahre 2005 ging die Hütte pleite. 300 Menschen wurden arbeitslos. Als Hinterlassenschaft des Unternehmens blieb ein riesiger Haufen Giftmüll zurück. Darunter befanden sich Dioxin-haltige Stäube und Tanks, in denen rund 10.000 Tonnen hoch konzentrierter Schwefelsäure lagerten. Diese besonders gefährlichen Rückstände mussten an anderen Orten entsorgt werden. Die Betriebshallen wurden geschreddert und auf die andere Seite gebracht. Die mit hoch giftigen Schwermetallen verseuchten Böden wurden ausgekoffert und ebenfalls hier wieder aufgeschüttet. Wir befinden uns auf stark belastetem Boden, der mit dicken Planen und einer Erdschicht abgedeckt ist.
Die Geschichte des Werkes zeigt, wie Menschen anderen und der Umwelt schaden können. Seit 1981 ist in der Öffentlichkeit bekannt, dass der Ausstoß von Blei und Cadmium deutlich über den Grenzwerten liegt und die Menschen und die Böden in Wanheim belastet. Aus reiner Profitgier wurde nichts getan, um die Umwelt zu schützen vor den hochgiftigen Stoffen, die bei der Produktion in diesem Betrieb anfielen. Politiker hielten sich bedeckt. Am Ende plünderten skrupellose Heuschrecken aus, was es noch in dem Laden zu holen gab.
Die Fähigkeit des Menschen, Entscheidungen zu treffen, die zum Schaden anderer Menschen und der Umwelt sind, zeigt sich hier in vielfacher Weise. Die gesamte Gesellschaft musste für die Beseitigung der gewaltigen Schäden aufkommen. Die Folgen tragen auch die Wanheimer Grundbesitzer, aus deren Gärten demnächst die giftigen Schwermetalle entsorgt werden müssen.

Gott hat uns Menschen Wegweisungen gegeben, die uns helfen sollen, das Gute und Richtige zu tun. Wir sollen die Erde bebauen und bewahren. Das ist sein Auftrag für uns. Wozu Menschen fähig sind, wenn sie ihr Können zum Guten verwenden, auch das zeigt der Ort, an dem wir uns hier befinden.

Innerhalb von knapp drei Jahren wurde das vierzig Hektar große Betriebsgelände der MHD umgestaltet zu einem Logistikstandort und einer öffentlichen Parkanlage. Am 7. November 2008 wurde der Angerpark mit diesem Aussichtspunkt in 35 Metern Höhe feierlich eingeweiht. Zu Ehren des Wanheimer Heimatforschers bekam dieser Gipfel den Namen Heinrich Hildebrand Höhe.
Bereits ein Jahr vor der Fertigstellung entstand die Idee, sich im Kulturhauptstadtjahr mit dem Bau einer neuen Landmarke zu präsentieren. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, aus dem der Entwurf von Heike Mutter und Ulrich Genth als Sieger hervorging. An der technischen Umsetzung waren mehrere Firmen beteiligt, unter anderen die Hüttenwerk Krupp-Mannesmann, die man von hier oben aus gut sieht. Die beteiligten Betriebe haben manches auch unentgeltlich für das Projekt getan.

Mit ihren 44x37 Metern Grundfläche und 21 Metern Bauhöhe ist die Skulptur nicht nur eine der größten Deutschlands, sondern zugleich auch eine Meisterleistung der Ingenieurskunst und der Schweißtechnik. Insbesondere die Treppe, die sich durch Figur windet, stellte eine so noch nie zuvor gemeisterte Herausforderung dar. Ebenso die Fertigung der Stützenköpfe.

Was der Mensch zustande bringen kann, wenn er seinen Verstand und seine Fähigkeit zum Guten benutzt, das zeigt uns dieses Bauwerk. Das zeigt uns die gesamte Anlage. Aus Giftmüll wurde eine attraktive Grünfläche, die viele Menschen anzieht aus nah und fern. Hier ist den Duisburgern etwas gelungen, worauf sie stolz sein können.

Unser Wunsch ist es, dass es den Menschen auch an anderen Stellen unserer Erde gelingt, Böses zum Guten hin zu wenden. Dazu müssen auch wir Kirchen unseren Beitrag leisten. Wir haben uns selbst und unsere Mitmenschen immer wieder darauf hinzuweisen, welche Aufgabe Gott uns Menschen gegeben hat: Wir sollen die Erde bebauen und bewahren.