Aus der Landeskirche

 
Kirche Kunterbunt

In der Landeskirche regt sich Widerstand gegen die Umbaupläne der Kirchenleitungen, die auf eine vollständige Entmachtung der Presbyterien hinauslaufen. "KirchenBunt" nennt sich die Initiative, die sich dafür einsetzt, dass die Kirche bunt und vielfältig bleibt. Aus Sorge um die Entwicklung der evangelischen Kirche haben die Pfarrer Hartmut Becks (Alpen) und Hans-Jürgen Volk (Eichelhardt) und der Pastor Andreas Reinhold (Oberhausen) Mut gefasst und sich mit einem Schreiben an die kirchliche Öffentlichkeit gewandt. Darin heißt es:
"Schon seit geraumer Zeit machen wir uns Sorgen um unsere Evangelische Kirche im Rheinland. bbz-Skandal, die Kosten für das Neue Kirchliche Finanzwesen, Verwaltungsstrukturreform. Dies sind nur einige Stichworte, bei denen wir das Gefühl haben, dass wir als Kirche nicht mehr auf Kurs sind." Die Verfasser beklagen eine Entwicklung, in der die Gemeinden immer mehr zum Objekt von Entscheidungen übergeordneter Leitungsgremien geworden sind. Den Presbyterien werden Kompetenzen entzogen und auf die nächsthöhere Ebene, den Kirchenkreis, verlagert. Dies führt zum Umbau der presbyterial-synodal verfassten Kirche zu einem Unternehmen, das von oben nach unten gesteuert wird.

Das Wanheimer Presbyterium hat sich gefreut, als es von Initiative Kenntnis bekam, und die Gründer zu einem Gespräch in die Gemeinde eingeladen. In dem gegenseitigen Austausch
drängte sich der Eindruck auf, dass Angst die Leitungsgremien und -personen in der Kirche bestimmt: Angst vor dem Bedeutungsverlust der Kirche, Angst davor, dass die eigenen pessimistischen Prognosen wahr werden. Die Schuld für den Bedeutungsverlust wird Pfarrerinnen und Pfarrern und den Gemeinden angelastet. Darum strebt man an, die mittleren Ebenen zu stärken und einzelne Zentren zu "Leuchttürmen" auszubauen. Dies wird zu einem Rückzug aus den Randgebieten führen. Die mangelnde Präsenz an den Rändern wiederum wird zur Folge haben, dass verstärkt Menschen die Kirche verlassen.

Ende Oktober hat in Oberhausen das erste Treffen von 32 Unterstützern der Initiative stattgefunden, aus der sich inzwischen ein Netzwerk gebildet hat. Die Anwesenden berichten
aus ihren Gemeinden und Kirchenkreisen übereinstimmend, dass die negative Folgen durch die Einführung des neuen Buchführungssystems (kurz: NKF) überall zu spüren sind: Überhöhte Folgekosten müssen aufgefangen werden, die Krankenstände in den Verwaltungen nehmen zu.
Eine große Belastung stellt für viele auch die Verwaltungsstrukturreform dar. Gemeinden dürfen sich nicht mehr selbst verwalten, sondern müssen sich der zentralen, kreiskirchlichen Verwaltung anschließen. Das führt in einigen Fällen zu unerträglichen Mehrkosten.
Allgemein ist eine deutliche Verschiebung der Zuständigkeitsbereiche weg von den Gemeinden hin zur Kirchenkreisebene zu verzeichnen. Alle Anwesenden teilen den Eindruck, dass sich die evangelische Kirche in Deutschland zu einem Dienstleistungsunternehmen entwickelt, das marktwirtschaftlichen Gesetzen gehört, womit sich die Kirche immer weiter von ihren Ursprüngen entfernt. Notwendig ist eine Re-Formation, eine Rückbindung der Kirche an ihre Grundlagen.
Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, soll das Netzwerk eine Vereinsform bekommen. Anfang des kommenden Jahres wird die Gründungsversammlung sein.

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