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Ich glaube - Hilf meinem Unglauben (Markus 9,24)
Eine Geschichte von einem Vater, einer Mutter und einem Sohn, von Glaube und Unglaube,

von Hoffnung und Verzweiflung zur Jahreslosung 2020 Michael war in die Jahre gekommen. Das Haar grau. Falten in seinem Gesicht erzählten Geschichten von seinem Leben. Mit Schicksalsschlägen und glücklichen Stunden. Viele Menschen suchten seine Nähe. Denn sie tat ihnen gut. Michael hatte Haltung bewahrt. Sein Rücken krümmte seine Gestalt, doch er wirkte aufrechter als die meisten Menschen. Und seine Augen. Dieser Glanz in ihnen. Dieses Funkeln und Glitzern, das jeden Betrachter gleich gefangen nahm. Pure Lebensfreude, beneidenswert. Augen, voller Weisheit und Zuversicht. Michael, sein Name erzählt sein Leben. Michael - wer ist wie Gott. Und Michael ist Gott in seinem Leben begegnet. Michael hatte einen kranken Sohn. Johannes. Gott ist gnädig. Johannes war seit seiner Geburt krank. Michael und seine Frau Mara verzweifelten darüber. Mara heißt: bitter - wie ihr Leben. Anfangs deutete nichts auf Johannes schlimme Krankheit hin. Allmählich fiel Mara und Michael auf, Johannes wirkte, als ob er für Momente nichts wahrnahm. Sie machten sich keine großen Gedanken darüber. Bis dann eines Tages dieser Anfall kam. Johannes fiel plötzlich zu Boden, schrie und atmete seltsam, hatte Schaum vor dem Mund und blieb wie tot liegen. Nach einiger Zeit kam er wieder zu sich. Als ob er nichts von diesem Anfall gespürt hatte. Sie hofften, dass so etwas nicht mehr passieren würde. Groß war die Angst vor den Nachbarn und der Familie, die würden sagen: Johannes ist von einem bösen Geist besessen. Bleibt fern von uns. Wir wollen mit ihm und euch nichts zu tun haben. Sie wären, vor allem Johannes, Ausgestoßene. Menschen zweiter Klasse. Die Gott für irgendwelche Dinge bestraft. Die Anfälle kamen immer wieder. Zuerst merkte es keiner. Johannes seltsame Schreie zu Hause fielen nicht weiter auf. Kleine Kinder schreien nun mal, wenn es ihnen nicht gut geht oder sie ihren Willen durchsetzen wollen. Nur selten gingen Mara und Michael mit Johannes durch das Dorf. Sie versuchten seine Krankheit zu verbergen. Doch eines Tages kam einer dieser Anfälle, auf dem Heimweg war, nur wenige Meter von der rettenden Tür entfernt. Von da an war die Familie wie gezeichnet. Kaum einer wollte mehr was mit ihnen zu tun haben. Nur wenige enge Freunden hielten noch zu ihnen. Es begann ein Spießrutenlaufen für die Familie. Michael hörte sich um. Suchte andere, denen es ähnlich ging. Immer wieder hörte er: Für diese Krankheit gibt es keine Heilung. Dein Sohn ist von einem Dämon besessen. Er wird nicht alt werden. Michael fragte zahlreiche Ärzte und Heiler. Viele waren ehrlich und sagten, dass ihre Kunst bei dieser Krankheit und bei Dämonen versagte. Andere versprachen Michael und Mara Heilung für Johannes. Doch kaum hatte sie Geld für ihre verlogenen Versprechen erhalten waren diese Scharlatane verschwunden. Die Jahre vergingen. Johannes wuchs heran. Er schien sich normal zu entwickeln. Michael und Mara beobachteten ihren Sohn genau. Sie merkten, wie die Anfälle ihn schwächten. Der aufgeweckte Junge, wurde stiller, in sich gekehrt und traurig. Oft geriet er in Gefahr, wenn diese Anfälle plötzlich kamen. War ins Feuer gefallen, beinahe im nahen Fluss ertrunken. Johannes spürte: "Ich bin anders als die anderen. Sie wollen mit mir nichts zu tun haben. Sie haben Angst, dass der böse Geist in mir von ihnen Besitz ergreift." Doch das geschah niemals…….

Michael betete oft zu Gott. Er rang um Johannes Heilung. Er konnte nicht glauben, dass Johannes Krankheit eine Strafe Gottes ist. Warum auch? Er und seine Frau lebten gottesfürchtig. Viele hielten ihn für verrückt. Seine Gebete waren ein letzter zerbrechlicher Strohhalm, seinen Glauben und die Hoffnung nicht ganz aufzugeben. Doch die Zweifel plagten ihn. Eines Tages hörte Michael von einem neuen Propheten Gottes. Wunderdinge wurde von ihm erzählt: Er hatte Menschen geheilt, vielen eine neue Sicht Gottes gegeben. Michael hörte, er kommt nach Cäsarea Philippi. Er sprach mit Mara, doch die hatte längs alle Hoffnung aufgegeben. "Geh nur," sagte sie, "schaden kann es nicht. Ich glaube nicht mehr an Propheten. Die hauen uns nur übers Ohr." Michael ging mit Johannes los. Johannes kannte diese Wege. Sie hatten alle mit einer großen Enttäuschung geendet. Doch seinem Vater zu liebe ging er diese Wege mit. So auch jetzt. Unterwegs begegneten sie vielen Menschen. Alle wollten diesen neuen Propheten sehen. Jesus hieß er: Gott rettet! Und im Namen Gottes hatte Jesus anscheinend viele Menschen gerettet. Als Michael mit Johannes an dem Ort kam, wo Jesus sein sollte, war er nicht da. Jesus war mit einigen Jüngern auf einem nahen gelegenen Berg gegangen. Keiner wusste, wann er zurückkommt. Michael fragte die anderen Jünger, ob sie Johannes helfen könnten. Doch sie waren machtlos wie alle anderen zu vor. Schließlich kam Jesus. Michael sah gleich, dass dieser Mann besonders war. In ihm keimte Hoffnung auf. Michael ging zu Jesus, berichtete, dass seine Jünger Johannes nicht helfen konnten. Jesus wollte Johannes sehen. Michael holte ihn. Plötzlich bekam Johannes einen Anfall, warf sich wild hin und her, schrie laut auf und die Herumstehenden riefen voller Angst. "Er ist besessen. Der Dämon hat ihn in seiner Gewalt!" Jesus aber schaute Johannes genau an, fragte nach den Symptomen der Anfälle. Michael fühlte sich zum ersten Mal ernst genommen. Er spürte, dass Jesus ganz für ihn und Johannes da war. Übermächtig wurden seine Gefühle und Michael flehte ihn an: "Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!" Jesus spürte das Vertrauen, das Michael ihm entgegenbrachte und antwortete: "Du sagst: Wenn du kannst - alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Da brach es aus Michael heraus. Er spürte, dass er machtlos war. Dass er alle Angst loslassen konnte. Alle Angst vor der Zukunft, vor Enttäuschung vor den anderen Menschen, vor sich selbst. Und er warf all seine Zweifel, Ängste und Sorgen auf Jesus und sprach: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Und spürte sogleich, wie er frei und leicht wurde.... Jesus nahm Johannes in die Arme, sprach mit ihm, bis er ganz ruhig wurde, fast wie tot. Half ihm schließlich auf die Beine. Alle waren entsetzt und erstaunt. Nie mehr bekam Johannes einen Anfall. Er war geheilt. Michael, Johannes und auch Mara wussten, ihnen war in Jesus Gott begegnet. Allen Menschen erzählten sie ihre Geschichte mit Jesus und mit Gott, der sie zu neuen Menschen machte. Die Geschichte ihres Glaubens, bekräftigt und gestärkt durch Jesus. Noch heute fesselte Michael seine Zuhörer. Erst dachte er, es wäre die Heilung, das Wunder, das Jesu tat. Doch mit den Jahren entdeckte er, er selbst war es. Sein Glaube und das grenzenlose Vertrauen, die seine Zuhörer in seinen Worten und Auftreten spürten, die ihnen im Glanz seiner lebendigen Augen entgegen schienen. Als ob sie Gott selber in Michael begegneten. Nie kam ihm der Gedanke, daraus einen Vorteil für sich zu ziehen. Denn es war seine Bestimmung, zu erzählen: "Wer ist wie Gott! Wer sonst könnte unserem Unglauben helfen!"