Das Wort zum Alltag

 
Mut zur Vernunft

"Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben,
sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit."
Das ist für mich der Bibelspruch des Jahres. Diesen Geist brauchen wir. Dringend. Denn in unserem Land gewinnen Leute Zulauf, die Angst schüren. Und das mit Lügen, Verleumdungen und Hassreden. So wachsen Verzagtheit und mit ihr die Feindseligkeit gegenüber allen Fremden. Die Verzagtheit der Leute führt dazu, dass sie den Lügen glauben, die von der russischen Regierung, vom russischen Staatsfernsehen und von Personen am rechten Rand unsere Gesellschaft als Tatsachen ausgegeben werden.
Keine Frage: Unter den vielen Fremden gibt es Leute, die unser Sozialsystem brutal ausnutzen. Ihnen muss unsere Staatsmacht entschlossen entgegen treten und das kriminelle Handwerk legen. Keine Frage auch: Unsere Regierung lässt ein entschlossenes Handeln vermissen. Statt dessen streiten sich die führenden Regierungsleute bis zur Selbstzerfleischung. Und der Bundespräsident, der dem verzagten Volk Orientierung geben müsste, schweigt. Von einem Versagen der Politik sprach Präses Rekowski in seinem Bericht vor der Landessynode.
Inzwischen ist der Druck von rechtsextremer Seite so stark, dass Europa in seine Einzelteile zerfällt und die Werte verleugnet, für es einzustehen hat. Rechtpopulistische Regierungen in Ungarn und Polen, ein unberechenbarer russischer Präsident und ein ebenso unberechenbarer türkischer Präsident machen die Welt zu einem Pulverfass.
Um so notwendiger ist es, dass die Menschen in unserem Land einen klaren Kopf bewahren. Die politischen Magazine und Nachrichtensendungen unserer öffentlich-rechtlichen Medien helfen bei der Aufklärung über das, was in der Welt geschieht. Genauso Tageszeitungen, die mehr als nur reißerische Schlagzeilen zum Inhalt haben.
Die Demokratie und den humanen Rechtsstaat gilt es kraftvoll und besonnen zu verteidigen. Dem heillosen Egoismus gilt es zu wehren und für Humanität und Nächstenliebe einzutreten. Die Liebe gerade gegenüber den Fremden ist eines der wichtigsten Gebote unserer Heiligen Schrift. Wer Hass gegenüber Fremden anfacht, schürt Hass gegen Gott.

Liebe Gemeindeglieder, ich wünsche Ihnen den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Und bewahren Sie einen klaren Kopf.
Ihr Pfarrer Friedrich Brand