Das Presbyterium

 
Presbyterium 2016
 

2. Korinther 1,3-10
Laetare - 6. März 2016
Einführung des Presbyteriums

"Freuet euch!" Der Name dieses Sonntags, lateinisch "Laetare". Wir haben Grund zur Freude. Menschen haben sich bereit gefunden, in der Leitung dieser Gemeinde mitzuarbeiten. Die Gemeinde hat sie gewählt, und wir haben sie soeben zu ihrem Dienst beauftragt und ihnen Gottes Segen zugesprochen. Vier Jahre lang sollen sie nun diesen Dienst tun.
Es wird kein leichter Dienst sein. Das haben schon die zurückliegenden vier Jahre gezeigt.
Das Presbyterium hat laut Kirchenordnung die Aufgabe, die Gemeinde zu leiten. "Es trägt die Verantwortung für die Erfüllung des Auftrags der Kirchengemeinde". (Art. 15) Dieser Auftrag wiederum besteht darin, für die "lautere Verkündigung des Wortes Gottes und die rechte Verwaltung der Sakramente" zu sorgen." So heißt es im kirchlichen Amtsdeutsch.
Konfirmandinnen und Konfirmanden habe ich gebeten, zu bewerten, was sie als Hauptaufgabe der Kirche betrachten. Ganz weit oben steht genau das, was die Landeskirche von den Gemeinden fordert: "Die Gemeinde sollte die christliche Botschaft verkündigen, zeitnah und modern". Am wichtigsten finden die jungen Leute die Aufgabe, Menschen durch Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung an den Wendepunkten ihres Lebens zu begleiten". An zweiter Stelle ihrer Bewertung liegt der Auftrag, Nächstenliebe zu üben und Menschen zu helfen, die in Not sind."
Das ist ein weites Feld. Eine Gemeinde hat viel zu tun. Das Presbyterium, muss dafür sorgen, dass die Gemeinde ihre wichtigsten Aufgaben erfüllt. Darüber hinaus muss es den eigenen Kräften und den in der Gemeinde vorhandenen Fähigkeiten entsprechend Schwerpunkte setzen.
Seit zwanzig Jahren darf ich das Wanheimer Presbyterium leiten. Es freut mich, dass alle, die zum Presbyterium gehören, gern ihren Dienst tun.
Ihr bringt viel Einsatzbereitschaft, viele eigene Ideen mit, wie wir gemeinsam die uns gegebenen Aufgaben am besten erfüllen. Ihr nehmt die Hauptaufgabe der Gemeinde, die Verkündigung der frohen Botschaft der Bibel, mit großer Gewissenhaftigkeit wahr. Fast jeden Sonntag sind so viele Mitglieder des Presbyteriums anwesend, dass wir beschlussfähig wären. Das sind wir, wenn acht Personen aus dem Presbyterium anwesend sind.
Aus eurer Mitte kam die Idee, am Sonntag nach dem Gottesdienst Kuchen anzubieten, um mit dem Verkauf die Gemeindekasse ein wenig zu füllen. Das gemeinsame Kaffeetrinken am Sonntag Morgen gehört hier in der Gemeinde zum Gottesdienst dazu. Das ist euer Verdienst, denn ihr bereitet alles vor bis hin zum selbst gebackenen Kuchen. In der letzten Sitzung kam die Idee auf, in die Kuchenbäckerei weitere Gemeindeglieder einzubeziehen. Da wird sich sicherlich die eine oder der andere gern beteiligen. Denn auch in der Gemeinde gibt es viel Bereitschaft mitzuhelfen, wo Hilfe gebraucht wird. Das hat sich im vergangenen Jahr in besonderer Weise bei der Aktion "Zaun streichen" gezeigt. Das wird sich jetzt wieder zeigen, wenn es darum geht, mit eigener Hand das Neue Testament abzuschreiben. Es wird kein neues Neues Testament, sondern das vorhandene in der Lutherübersetzung wollen wir mit der Hand zu unserem Wanheimer Neuen Testament machen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Wanheimer Gemeinde ist die Jugendarbeit. Hier haben wir uns in den vergangenen Wochen eng mit der Nachbargemeinde Wanheimerort vernetzt, so dass es künftig in Person unserer Jugendleiterin eine gemeinsame Jugendarbeit geben wird. Im Bereich Kirchenmusik haben wir im vergangenen Jahr bereits einen Kooperationsvertrag mit Wanheimerort geschlossen.
Beispiele, die zeigen, dass viel in Bewegung ist. Was uns beschwert und manchmal die Freude an der Arbeit raubt, sind Vorgaben, die von der Landeskirche kommen. Die Landeskirche ist dabei, in der Kirche eine Kultur des Zählens, Rechnens und Vergleichens einzuführen. Auf diesem Weg ist sie bereits weit vorangeschritten. In den letzten zehn Jahren hat die gesamte Kirche in Deutschland immer mehr Strukturen eines Wirtschaftsunternehmens angenommen. Weil wir diesen Weg als verkehrt ansehen, sind wir als Presbyterium Mitglied geworden im "KirchenBunt". Diesen Verein kann man als innerkirchliche Opposition betrachten. In ihm haben sich mehrere Einzelpersonen und einige Gemeinden zusammengefunden, die den Weg der Kirche hin zu einem Wirtschaftsunternehmen nicht richtig finden. Allerdings, das befürchte uns, werden unsere Kräfte nicht stark genug sein, die Kirche aufzuhalten auf dem Weg, den sie eingeschlagen hat.

An dieser Stelle nun bringe ich den Predigttext des heutigen Sonntags ins Spiel. Da spricht Paulus von der Bedrängnis, die ihm in der Provinz Asien widerfahren ist. Offenbar musste er um sein Leben fürchten. So schlimm stand es um ihn, dass er am Leben verzagte. (V. 8)
Wir sind dagegen in einer sehr komfortablen Lage. Als Christen leiden wir keinerlei Verfolgung. Wir müssen nicht um unser Leben fürchten, weil wir uns zu Jesus bekennen. Im Gegenteil: Wir können unseren Glauben frei leben. Und die Kirche in Deutschland ist nach wie vor sehr reich, trotz allem Krisengerede, das die Kirchenoberen seit Jahren anstimmen.
Dennoch: Anfechtungen und Beschwernisse kennen auch wir. Da ist es hilfreich nachzulesen, woher Paulus neue Kraft bekommt. Er schreibt:
"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
der uns tröstet in aller unserer Trübsal,
damit wir auch trösten können,
die in allerlei Trübsal sind,
mit dem Trost,
mit dem wir selber getröstet werden von Gott."
(1. Korinther 3,3-4)
"Gott, Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes". So hat Paulus seinen Gott erfahren. Auf welche Weise? Durch Jesus Christus. Der auferstandene Jesus ist Paulus erschienen und hat ihn zu seinem Boten berufen. Seitdem weiß Paulus, dass Jesus lebt und dass in ihm Gott gegenwärtig ist. Und er weiß, dass Gott an seiner Seite ist. Denn Jesus musste selbst den Weg des Leidens gehen. Doch Gott ging mit ihm, auch wenn Jesus sich zuletzt von ihm verlassen fühlte. Durch die Auferstehung hat Gott offenbar gemacht, dass er selbst in dem, was Jesus gesagt und getan und erlitten hat, anwesend war. In Jesus ist Gott den Weg allen menschlichen Leidens mitgegangen. So wusste Paulus, dass sein Leidensweg nicht gottlos war. Das war sein Trost. Und das wird er nicht müde, den Menschen zu verkünden. Er schreibt:
"Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Habe ich Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Habe ich Trost, so geschieht es zu eurem Trost.
Meine Hoffnung steht fest für euch, weil ich weiß: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben." So groß Kummer und Leid, so groß der Trost. Davon ist Paulus überzeugt.

Nach der letzten Wahl vor vier Jahren haben wir uns bei unserem Presbyteriumswochenende gefragt: Was gibt mir Halt? Was ist meine persönliche Kraftquelle? In der Runde haben wir unsere Quellen zum Sprudeln gebracht. Für eine aus unserem Kreis ist die Erfahrung, die Paulus mit dem auferstandenen Christus gemacht hat, eine eigene Kraftquelle. Paulus hat, als er wieder einmal in besonderer Not war, von seinem Herrn Jesus diese Botschaft vernommen: "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." Jesu Kraft hat er besonders in sich gespürt, wenn er mit seiner eigenen Kraft am Ende war.
Kraftquellen sind für uns auch viele Lieder. Zwei, die auf dem Wochenende genannt wurden, habe ich in das heutige Gottesdienstprogramm aufgenommen. Das eine haben wir zur Ermutigung nach der Einführung gesungen. Das andere singen wir zu Trost und Stärkung am Ende vor dem Segen.
Die Lieder kennen wir durch unsere Gottesdienste. Die Gottesdienste sind an sich eine Quelle großer Kraft. Denn Gottesdienst feiern bedeutet im Kern dies: Eine bestimmte, gestaltete Zeit in Gottes Gegenwart zu verweilen. (Horst Gorski in "Zeitzeichen 3/2016, S. 38) Im Gottesdienst feiern wir die Gegenwart unseres Gottes.
Weil uns der Gottesdienst so viel bedeutet, darum liegt uns auch diese Kirche sehr am Herzen.

Viel tut ihr Presbyterinnen und Presbyter, um diese Kirche innen und außen in einem guten Zustand zu erhalten. Seit neuestem schmückt ein Antependium das Lesepult. Regina Schrör hat es in Handarbeit gefertigt. Bei genauem Betrachten erkennt man in den einzelnen Schals Motive von Quellen, aus denen wir ebenfalls Kraft, Trost und Ermutigung schöpfen:
Ein Fisch, der im Wasser schwimmt als Symbol für die Taufe. Mit der Taufe erhalten wir das Versprechen Jesu: Ich bin bei euch alle Tage.
Die anderen Motive sind Symbole für das Abendmahl: Ähren, aus denen Brot gemacht wird, ein Kelch und eine Rebe mit Trauben. Wir werden gleich miteinander Abendmahl feiern. Dabei teilen wir miteinander das Brot, so wie Jesus es mit seinen Jüngern getan hat. "So ist mein Leib", hat Jesus dazu gesagt. Nämlich die Gemeinschaft von Menschen, die meinem Beispiel folgt. In dieser Gemeinschaft ist er gegenwärtig. Indem wir das Brot von dem gesegneten Brot essen, nehmen wir Jesu Glaubenskraft, sein Vertrauen in uns auf. Ähnliches geschieht, wenn wir den Saft der Trauben trinken. "So ist mein Blut", hat Jesus gesagt. Das Blut steht für Lebendigkeit, für Liebe und Wärme. Indem wir aus dem gesegneten Kelch trinken, nehmen wir Jesu Liebe und Freundlichkeit in uns auf. Er ist der Gastgeber unseres Mahls, er ist auf unsichtbare Weise anwesend, um uns zu stärken. So ist das Abendmahl eine Quelle, aus der wir immer wieder Kraft und Trost schöpfen können.

Lätare, freuet euch. Dass Gott uns so nahe kommt, dass wir seine Freundlichkeit sehen und schmecken können, das ist Grund zur Freude und zur Dankbarkeit.

Lasst uns unseren Dank gemeinsam ausdrücken, indem wir uns zu Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, bekennen.